NHL Playoff Analyse 2019 #1: Die 1. Runde in der Western Conference

Endlich ist es wieder so weit! Die Playoffs – oder auch die #geilstezeit (wie sie in der DEL getauft wurde) – beginnen nun auch in der amerikanischen National Hockey League, kurz NHL.
Jedes Team hat in 82 Spielen und insgesamt fast 5.000 Minuten um jeden Zentimeter gekämpft, in 31 verschiedenen Stadien wurde 186 Tage lang die schwarze Hartgummischeibe hin und her gespielt, um letztlich die 16 Teams zu ermitteln, um die es nun gehen soll: Die noch verbleibenden Anwärter auf den heiß begehrten Titel des Stanley Cups.

Ich möchte euch heute meine Einschätzung zu den vier Begegnungen der ersten Runde in der Western Conference darlegen und dann in den nächsten Tagen natürlich die nicht minder spannende Eastern Conference nachlegen.
Bitte beachtet die Tatsache, dass solche Einschätzungen natürlich auch immer zu einem gewissen Teil subjektiv sind. Solltet ihr mir nicht zustimmen, freue ich mich über eine gut begründete Gegenargumentation jederzeit.

Zudem habe ich die komplette erste Runde – für den Überblick siehe unten – mal spaßeshalber in der Sportsimulation NHL 19 simuliert und werde euch auch mitteilen, was dabei rauskam.

Die Paarungen der diesjährigen ersten Runde stehen fest!
(Rechte liegen bei der NHL)

Calgary Flames vs. Colorado Avalanche

Auf dem Papier ist das erste Duell ein deutliches: Nachdem sie in der letzten Saison mit 82 Punkten um drei Tabellenplätze an den Playoffs vorbeischlitterten, waren die Calgary Flames in dieser Saison „on fire“. Mit 107 Zählern belegten sie den zweiten Platz in der gesamten Liga nach den allmächtigen Tampa Bay Lightning und gewannen somit die Pacific Division. Dabei fuhren sie die magische Grenze von 50 Siegen ein, die in der letzten Saison für alle fünf Teams zumindest für das Überstehen der ersten Runde reichte.

Der Gegner des Teams aus der Provinz aus Alberta heißt in der ersten Runde Colorado Avalanche. Das Team des Kanadiers Jared Bednar erreichte – wie auch schon im Jahr zuvor – den zweiten Wildcard-Platz und damit gerade ebenso die Playoffs. Hierfür hatten sie im letzten Jahr noch 95 Punkte bei 43 Siegen gebraucht, während in diesem Jahr bereits 90 Punkte bei überraschend wenigen 38 Siegen ausreichten. Geholfen hat vor allem die Tatsache, dass man die meisten Siege nach Overtime oder Penaltyschießen der Liga (14) hatte und damit einige male verhindern konnte, gänzlich ohne Punkte aus der Begegnung zu gehen.

Beide Teams verfügen offensiv in der Spitze über eine Handvoll absoluter Topscorer. Bei den Kanadiern sind das die Forwards Johnny Gaudreau (99 Punkte), Sean Monahan (82), Elias Lindholm (78) und Matthew Tkachuk (77) sowie Defenseman Mark Giordano (74). Ein Großteil des Scorings beim Gegner aus Denver, Colorado wird von Nathan MacKinnon (99 Punkte), Mikko Rantanen (87) und Gabriel Landeskog (75) übernommen. Hier zeigt sich auch bereits der erste Nachteil für Colorado: Da die drei Topscorer hier häufig in einer Reihe spielen, zeigt sich danach ein deutlich größerer Abfall der Qualität als bei Calgary, die zwei wirkliche Top-Reihen stellen können. Dies sorgt auch für hohe durchschnittliche Eiszeiten bei Spielern wie Nathan MacKinnon (22:05). Dass ein Einsatz des angeschlagenen Finnen Rantanen für das erste Spiel am Donnerstagabend noch nicht als sicher gilt, wird die Hoffnung am Fuß der Rocky Mountains außerdem nicht gerade stärken.

Ein äußerst interessantes Duell zeichnet sich indes zwischen den beiden Stars der Teams ab, bei denen die Welt vertauscht scheint: Johnny Gaudreau (der als US-Amerikaner der Star im kanadischen Calgary ist) und Nathan MacKinnon (ein Kanadier, der ein Team aus den USA führt) verpassten beide die 100er-Marke um nur einen Punkt. Sie werden sicherlich mit Vollgas in die Playoffs starten und ihre Mannschaft mitreißen. Ist einer von beiden nicht in Form, wird das die Chancen des jeweiligen Teams sicher schmälern.

Auch in der Defensive hat Calgary meiner Ansicht nach die bessere Tiefe, was die Qualität betrifft. Neben Kapitän Mark Giordano, der die punktbeste Saison seiner bereits 13-jährigen Karriere spielt, machen auch T.J. Brodie und der vor der Saison geholte Noah Hanifin einen wirklich guten Eindruck. Beim Gegner hängt wiederum viel vom 27-jährigen Star-Verteidiger Tyson Barrie ab, der ebenfalls besser scorte, als je zuvor in seiner Karriere.

Im Tor verfügen beide über ein solides, aber nicht überragendes Tandem. Hier sehe ich die Colorado Avalanche mit dem Deutschen Philipp Grubauer (wird übrigens in Spiel 1 starten) und seinem Partner Semyon Varlamov vielleicht sogar minimal im Vorteil gegenüber den Konkurrenten David Rittich und Mike Smith.

Mein Fazit: Die Differenz der beiden Teams ist an mehreren Fronten einfach zu groß und die Flames zu gut in Form. Calgary gewinnt die Serie mit 4:1 und zieht souverän ins Conference-Semifinale ein.
NHL 19: Auf der Playstation 4 lief es bei mir noch deutlicher: Hier ging es 4:0 für Calgary aus, womit sie den Sweep in der Simulation perfekt machen konnten.

Nqthan MacKinnon vs. Johnny Gaudreau
(Rechte liegen bei der NHL)

San Jose Sharks vs. Vegas Golden Knights

Als zweites kommen wir zu einer Serie, die ich wirklich sehr spannend und auch wahnsinnig ausgeglichen finde: Die San Jose Sharks (101 Punkte) treffen als Zweitplatzierter der Pacific Division abermals auf die Vegas Golden Knights (93 Punkte) auf dem dritten Platz.

Wir erinnern uns zurück: Vor etwas weniger als einem Jahr trafen die beiden Teams ebenfalls aufeinander, wenn auch unter anderen Vorzeichen. Man befand sich bereits im Conference-Halbfinale, also der zweiten Runde der Playoffs. Beide Teams hatten damals ihre Gegner aus dem Raum Los Angeles deutlich abgefertigt: Die Golden Knights schlugen die Kings 4:0 und die Sharks besiegten die Anaheim Ducks ebenso deutlich. Im Aufeinandertreffen hatte das Team aus der Glücksspiel-Metropole die Nase vorn und siegte in einer toll anzuschauenden Serie mit 4:2. Doch wie wird es dieses mal laufen?

Auf dem Papier haben sich beide Teams durchaus noch mal nach vorn entwickelt: Mit Erik Karlsson (Sharks) und Mark Stone (Golden Knights) konnten sich beide Franchises die Hauptgewinne im Ausverkauf der Ottawa Senators sichern. Bei den Sharks kam außerdem Flügelstürmer Gustav Nyquist (vormals Detroit Red Wings) und bei den Golden Knights zudem Max Pacioretty (vormals Montreal Canadiens) dazu.
Das Problem: Die Neuzugänge schlugen nur zum Teil ein. Karlsson verpasste fast 30 Spiele verletzungsbedingt und erzielte nur drei Tore und auch Stone ist noch nicht so richtig in der Wüste angekommen, liegt mit elf Punkten in 18 Partien unter seinen Bestwerten.

Einen klaren Vorteil sehe ich dieses Jahr bei den Sharks in der offensiven Tiefe. In Vegas ist man immer noch zu sehr angewiesen auf die Topreihe, bestehend aus William Karlsson, Jonathan Marchessault und Reilly Smith. Im letzten Jahr fuhr man damit nicht schlecht, doch sind die Zahlen der drei Leistungsträger nach der Euphorie im ersten Jahr deutlich eingebrochen. Karlsson zum Beispiel konnte nur noch 56 Punkte verbuchen (letzte Saison: 78), Marchessault kam lediglich auf 59 Punkte (letzte Saison: 75). Allein der in der letztjährigen Playoff-Serie gegen die Sharks kamen die drei auf 24 Punkte in nur sechs Spielen.
In den Reihen darunter hatte man mit Verletzungen (Stastny, Haula) oder der Eingliederung neuer Spieler (Stone) noch etwas zu kämpfen.

Bei den Sharks scoren derweil drei Reihen überraschend ausgeglichen: Zum Abschluss der Saison spielte man beispielsweise mit den Reihen Kane / Hertl / Nyquist (190 Punkte), Donskoi / Couture / Pavelski (171) und Sorensen / Thornton / Labanc (137). Gerade die Kombination in der zweiten und dritten Reihe, aus den erfahrenen Recken Pavelski und Thornton gepaart mit jungen Spielern, scheint hier voll aufzugehen.

Dass bei dem Spielermaterial im Sturm sowie den Offensivverteidigern Burns und Karlsson dann auch das Powerplay hervorragend funktioniert, sollte nicht überraschen. So kommt man mit 23,7% auf die zweitbeste Quote im Westen, während Vegas mit nur 16,6% deutlich schlechter dasteht. Diese Zahlen könnten das Zünglein an der Waage sein, wenn Vegas es nicht schaffen sollte, von der Strafbank wegzubleiben. Doch das war in der Hauptrunde das geringste Problem, da nur 582 Strafminuten (Sharks: 794) eingefahren wurden und man damit zu den fünf fairsten Teams der Liga zählte.

In der Abwehr scheinen die Sharks mit Spielern wie Brent Burns, Erik Karlsson und Marc-Edouard Vlasic zwar nominell besser bestückt zu sein, allerdings verfügt der Gegner aus Nevada über eine beeindruckende Ausgeglichenheit in den drei Reihen. Kein Spieler muss zwischen 24 und 25 Minuten pro Abend spielen, wie die Topstars der Sharks. Jeder der fünf besten Verteidiger spielt im Durchschnitt zwischen 19,5 und 22 Minuten, sodass der Gegner sich nicht wirklich eine Reihe ausgucken kann, gegen die er seine Top-Angreifer schickt.

Den größten Vorteil für den Vorjahres-Sieger Vegas sehe ich allerdings noch weiter hinten, zwischen den Pfosten. Die Sharks-Keeper Martin Jones (89,6%) und Aaron Dell (88,6%) kamen jeweils nicht auf eine Fangquote von 90% und waren sicher nicht der Hauptgrund für die starke Saison des Franchises aus San Jose. Auch ist Martin Jones nicht der sichere und souveräne Rückhalt gewesen, der er in den Saisons zuvor deutlich eher war.
Dagegen konnte Marc-André Fleury (91,3%) wieder eine Vielzahl von Spielen allein entscheiden und auch der Backup Malcolm Subban (90,2%) war für einen zweiten Mann durchaus solide.

Aus den letzten zehn Partien konnten beide Teams nur jeweils drei Siege mitnehmen. In der ersten Playoff-Runde wird es jetzt darauf ankommen, wieder in Form zu kommen und den Gegner bereits früh mit ein oder zwei Siegen unter Druck setzen zu können. Wem das gelingen wird, lässt sich meiner Ansicht nach unglaublich schwierig abschätzen.

Mein Fazit: Statistisch und auch in der Tabelle sind die San Jose Sharks den Vegas Golden Knights überlegen. Ich gehe aber dennoch mit dem Überraschungsteam der letzten Saison und tippe auf ein 4:3 für Vegas. In der T-Mobile Arena, dem Stadion mit der besten Stimmung laut einer Abstimmung unter den Spielern, wird auch in den Playoffs 2019 wieder eine riesige Euphorie herrschen und das Franchise zu einem knappen Sieg tragen.
NHL 19: Das Spiel und ich sind uns in diesem Fall einig. Auch auf der Konsole gab es einen 4:3-Sieg der Vegas Golden Knights.

Mark Stone vs. Brent Burns
(Rechte liegen bei der NHL)

Nashville Predators vs. Dallas Stars

Während der Division-Sieger mit den meisten Punkten der Conference (Calgary) auf den schlechter platzierten Wildcard-Kandidaten (Colorado) trifft, muss klassischerweise der andere Wildcard-Kandidat auch beim zweiten Division-Sieger ran. Dieses Duell ist in diesem Jahr eines in der Central Division und heißt: Nashville Predators gegen die Dallas Stars.

Die Predators fuhren mit 100 Punkten nur knapp vor den Jets und den Blues (je 99) den zweiten Sieg in ihrer Division in Folge ein und gelangten zum fünften mal hintereinander in die Playoffs der NHL. Von 117 Punkten in 2017/2018 kommend, gestaltete sich diese Saison als punktemäßig allerdings weniger erfolgreich. Aus diesem Grunde und vermutlich auch, um in der 20. Saison endlich den ersten Cup der Franchise-Geschichte zu holen, verstärkte man sich zur Deadline noch einmal kräftig, so zumindest das Gefühl.

Gleich drei Namen mit einem durchaus gewissen Klang in der Liga sicherte man sich im Februar: Brian Boyle, Mikael Granlund, Wayne Simmonds. Leider schlugen diese bislang nicht so ein, wie erhofft.
Brian Boyle (vormals New Jersey Devils) unterstützt wie geplant zumeist die vierte Reihe und konnte in 26 Spielen zwar fünf Tore, aber noch keinen einzigen Assist beisteuern. Dazu gehörte er zu den wenigen Spielern mit einer negativen +/-, was in der vierten Reihe aber noch zu verkraften ist.
Mit Kyle Turris sah man die Position des Centers der zweiten Reihe als nicht optimal besetzt und holte sich mit dem Finnen Mikael Granlund einen absoluten Spielmacher mit dem Auge für die entscheidenden Pässe. Er hängt mit fünf Punkten in 16 Spielen seiner Form noch absolut hinterher, zumal er dazu noch auf den Flügel neben Konkurrent Kyle Turris versetzt wurde.
In Wayne Simmonds sahen viele den Heilsbringer für die Verstärkung des erschreckend schwachen Powerplays von letztlich 12,9%, welches das schlechteste der ganzen Liga war. In seinen besten Zeiten bei Philadelphia erzielte der Rightwing in mehreren Saisons um die 14-16 Tore allein im Powerplay. Doch bei den Preds? Nach 17 Spielen stehen ein Tor und zwei Assists (kein Punkt im Powerplay) sowie nur 21 Schüsse zu Buche. Zwar tritt er in der zweiten Powerplay-Reihe in Erscheinung, doch wurde er in die vierte „Even Strength“ Reihe versetzt.
Keiner der drei Neuzugänge konnte also so richtig überzeugen. Es bleibt abzuwarten, ob einer von ihnen in den Playoffs seinen „Breakout“ haben wird.

Natürlich bilden die drei die Offensive nicht allein, sondern es gibt auch noch einen Ryan Johansen, der mit 64 Punkten die zweitbeste Saison seiner Karriere spielte und zumindest mehr als im letzten Jahr aussah, wie ein Center, der eine erste Reihe führen kann. Daneben spielen meist Filip Forsberg und Viktor Arvidsson, die beide in dieser Saison mit Verletzungspech zu kämpfen hatten und einige Spiele verpassten. Zudem erfüllt ein Filip Forsberg noch nicht die Erwartungen an einen Franchise-Spieler, den viele Fans in ihm sehen.
Und dann gibt es da auch noch Spieler wie Craig Smith, Nick Bonino, Colton Sissons und Calle Jarnkrök, die immerhin jeweils zwischen 25 und 40 Punkten beisteuern konnten, was dem Kader offensiv schon eine gewisse Tiefe gibt.
Umso bedenklicher, dass mit den Panthers, Canadiens, Senators und Flyers einige Teams außerhalb der Playoffs sogar mehr Tore schießen konnten.

Das Scoring ist aber auch oder vor allem beim Gegner der der Predators ein Problem. Seit dem Umzug von Minnesota nach Dallas im Jahr 1993 konnte man nur ein einziges mal in einer vollständigen Saison weniger Tore erzielen, als die 210 aus dieser Saison, womit ein Durchschnittswert von 2,56 pro Spiel erreicht wurde. Tatsächlich hatte sogar jedes der 16 Teams im Osten in dieser Saison mehr Tore als die Texaner.
Nur woran lag das? An Tyler Seguin (80 Punkte) oder Alexander Radulov (72) mitnichten. Wohl aber könnte die schwache Spielzeit von Kapitän Jamie Benn (53) einer der Gründe sein, denn der scorte so schlecht, wie seit seiner Rookie-Saison nicht mehr.
Vor allem aber fiel die Leistung der Offensiv-Akteure danach auffällig stark ab. Nimmt man die Verteidiger raus, kam danach Radek Faksa mit nur 30 Punkten als viertbester Stürmer. Hoffnungsträger sollten auch Spieler, wie der aus Russland geholte Valeri Nichushkin sein, welcher in 57 Spielen aber kein einziges Tor erzielen konnte. Solche Zahlen reichen keinesfalls für eine konkurrenzfähige zweite und dritte Reihe.
Um dieses Problem zu adressieren, holte man unter anderem Mats Zucarello zur Trade Deadline von den New York Rangers, welcher sich leider bereits im zweiten Spiel verletzte und den Rest der Hauptrunde verpasste. Auch Martin Hanzel (7 Spiele), Andrew Cogliano (32) und Verteidiger Marc Methot (9) verpassten Großteile der Hauptrunde, Stephen Johns sogar komplett. Immerhin kehrt Mats Zucarello wohl pünktlich zu Spiel 1 zurück, was Hoffnungen schüren sollte.

In der Verteidigung kann man die Stars durchaus als solide bewerten. John Klingberg als immer noch solider Anführer konnte überzeugen, daneben spielte der Third Overall Pick von 2017 Miro Heiskanen eine tolle Rookie-Saison und auch Esa Lindell wusste zu überzeugen. Jamie Oleksiak und Ben Lovejoy, die man zur Trade Deadline für sich gewann, überzeugen zwar offensiv nicht, geben dem Kader aber weitere defensive Stabilität.
Das Problem: Auf der anderen Seite der Eisfläche steht während der Playoff-Serie das wohl beste Verteidiger-Quartett der ganzen Liga den Stürmern der Stars gegenüber: Roman Josi, P.K. Subban, Mathias Ekholm und Ryan Ellis machten zusammen 172 Punkte, blockten 480 Schüsse und kamen auf eine +/- von +61. Bei den Stars sorgten die ersten beiden Reihen für 50 Punkte weniger, über 100 geblockte Schüsse weniger und nur +11 in der +/-. Das ist schon ein gewaltiger Unterschied, auf den es möglicherweise ankommen wird.

Noch ein Stück hinter der Defense findet sich bei Nashville ein finnisches Torhüter-Duo, bestehend aus Pekka Rinne (91,8%) und Juuse Saros (91,5%). Routinier Rinne, der bereits 2004 von Nashville gedraftet wurde, bekam während der Hauptrunde etwa zwei Drittel der Einsatzzeiten und sein Kollege Saaros den Rest, beide überzeugten mit guten Werten. Gerade einen Pekka Rinne, der mit 83 Spielen eine beträchtliche Menge Playoff-Erfahrung mitbringt, sollte man nie unterschätzen. Er ist ein Goalie, der den Unterschied machen kann.
Auch der 2,01m große Ben Bishop von den Dallas Stars könnte aber der Entscheider werden. Er hütete das Tor bereits bei den Blues, Senators, Lightning und Kings, aber tat dies nie so gut, wie in dieser Saison. Am Ende stehen nur 1,98 Gegentore pro Spiel zu Buche (nur Blues-Rookie Jordan Binnington war besser) sowie eine Fangquote von 93,4%, bei der er die Statistik sogar ligaweit anführte.
Und auch der Russe Anton Khudobin, der sich die Position mit Bishop teilte, überzeugte mit einer Fangquote von 92,3% und strahlte Sicherheit aus. Hier hat Dallas die Nase überraschenderweise vorn.

Mein Fazit: Bei beiden Teams gilt das Sprichwort „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“. Große Namen ließen in der Hauptrunde nicht immer Taten folgen und Spieler wie Benn, Nichushkin (Dallas) oder Granlund, Simmonds (Nashville) blieben hinter den Erwartungen zurück. Es wird spannend sein zu beobachten, welcher Trainer jetzt noch einmal mehr aus seinem Team rausholen kann, um diese voraussichtlich defensiv orientierte Serie entscheiden zu können. Von den letzten sechs Begegnungen der beiden gewann Nashville derer vier und so wird es auch in den Playoffs laufen, weshalb die Preds mit 4:2 in die nächste Runde einziehen werden.
NHL 19: Die Algorythmen der NHL-Simulation und ich waren uns einigermaßen einig, wobei die PS4 die Stars noch ein Spiel weniger gewinnen ließ – 4:1 Nashville.

Tyler Seguin vs. Roman Josi
(Rechte liegen bei der NHL)

Winnipeg Jets vs. St. Louis Blues

Der Saisonverlauf der Teams in der letzten Begegnung hätte unterschiedlicher nicht sein können und das obwohl sie letztlich auf Platz 2 und 3 der Central Division mit je 99 Punkten lagen.
Blicken wir zurück auf den 01. Januar 2019: Es war knapp die Hälfte der Hauptrunde gespielt. Die Winnipeg Jets standen mit 52 Punkten souverän auf Platz 1 der Division, während die St. Louis Blues sich mit 34 Punkten auf dem letzten Platz wiederfanden. Seitdem ist einiges passiert und nun befinden sich die Teams absolut auf Augenhöhe und ich erwarte eine absolut spannende und hauchdünne Serie.

In der Offensive vertrauen die St. Louis Blues auf eine bärenstarke erste Reihe aus Blake Wheeler (91 Punkte), Mark Scheifele (84) und Kyle Conner (66). Sie alle konnten ihre Leistungen aus der vergangenen Spielzeit entweder erneut abrufen oder sogar übertreffen.
Darunter verfügt man in Winnipeg unter anderem über Nikolaj Ehlers, Bryan Little und Mathieu Perault. Mit einem Patrick Laine in Topform hätte man wohl eine noch bessere Saison gespielt. Der erst 20-jährige Finne ließ auf 44 Tore und 70 Punkte in 2017/2018 nur 30 Tore und 50 Punkte in 2018/2019 folgen, blieb dabei in manchen Wochen für seine Verhältnisse unsichtbar, wurde gar in der dritten Reihe eingesetzt und spielte letzten Endes 4,5 Minuten weniger als zum Beispiel Mark Scheifele.
Wenn er sich in den Playoffs wieder als der Ausnahmespieler präsentiert, der er ist, würde das den Jets einen riesen Schub verpassen.
Was die Verantwortlichen nahe des Enterprise Center sicher auch freuen wird: Der Trade für Ex-Ranger Kevin Hayes hat sich durchaus ausgezahlt. Er konnte in seinen 20 Einsätzen 13 Punkte verbuchen und centert wohl nun auch dauerhaft die zweite Reihe.

Auch die St. Louis Blues stürmen mit einer starken ersten Reihe in die erste Playoff-Runde. Die Forwards Ryan O’Reilly (77 Punkte), Vladimir Tarasenko (68) und Brayden Schenn (54). Während O’Reilly seit seinem Trade vor der Saison von Buffalo sich nach und nach zum Führungsspieler entwickelte, haben Tarasenko und Schenn ein wenig auf der Stelle getreten oder im letzteren Fall auch 1-2 Schritte zurück gemacht.
In den Reihen darunter machten auch David Perron (46 Punkte) Jaden Schwartz (36), Patrick Maroon (28) und Alexander Steen (27) zahlenmäßig einen Schritt rückwärts und konnten die gestellten Anforderungen nicht vollends erfüllen.
Allerdings: Die Rookies oder noch relativ frischen Spieler machten gute erste Eindrücke. Robert Thomas (19 Jahre) konnte 33 Punkte beisteuern, Oskar Sundqvist (25 Jahre) kam auf 31 Punkte in seiner ersten vollständigen NHL-Saison und auch Jordan Kyrou (20 Jahre) konnte nach seiner Berufung ins NHL-Team schon gute Ansätze erkennen lassen.

Alles in allem bring Winnipeg meiner Ansicht nach etwas mehr Qualität, Tiefe und Flexibilität im offensiven Spielermaterial mit. Eine große Überlegenheit ist hier aber absolut nicht gegeben und es wird vieles auf die Tagesform zum Beispiel eines Laine auf der einen oder eines Schwartz auf der anderen Seite ankommen.

In der Defensive lässt sich bei den Jets auf den zweiten Blick eine durchaus interessante und zugleich seltene Situation erkennen. Die Top-Verteidiger Dustin Byfuglien, Jacob Trouba und Tyler Myers gehören allesamt zu den auf dem Markt sehr gefragten Rechtsschützen. Um einmal Beispiele für Teams mit diesem klaren Need zu nennen: Die Coyotes (Jason Demers), Flyers (Radko Gudas) oder Maple Leafs (Nikita Zaitsev) verfügen defensiv jeweils nur über einen Rechtsschützen auf ansatzweisem Stammspieler-Niveau.
Den Winnipeg Jets und Trainer Paul Maurice ergibt sich dadurch die Möglichkeit, drei ansatzweise gleichwertige Verteidigerpaare aufstellen zu können, sodass der Gegner immer unter Druck gesetzt werden kann, defensiv wie offensiv.

Beim Gegenüber aus dem Bundesstaat Missouri gibt es Lichtblicke, aber auch klare Schwachstellen. Angeführt wird die Defensive von Alex Pietrangelo (41 Punkte) und Colton Parayko (+20 in der +/-).
Auch Vince Dunn, der als 20-jähriger seine zweite Spielzeit absolvierte, konnte zu einem wichtigen Puzzlestück des Teams werden. Er schoss mehr als doppelt so viele Tore (12) wie noch in der Vorsaison (5) und wird damit seinem Ruf als Offensiv-Verteidiger nun deutlich mehr gerecht.
Darunter aber? Jay Bouwmeester (35 Jahre) verliert inzwischen eine Vielzahl wichtiger Laufduelle und der Trade für Michael Del Zotto ist im Fanlager der Blues auch auf wenig Begeisterung gestoßen.

Den Abschluss machen, wie schon in den Duellen zuvor, die Torhüter. Diese könnten, wie in jeder Serie, der entscheidende Faktor sein. Sollte dem so sein, hätte das Auswärtsteam St. Louis das Momentum auf seiner Seite.
Der Grund: Jordan Binnington ist „on fire“. Der 25-jährige, der 2011 an 88. Position gedraftet wurde, startete die Saison beim Farmteam San Antonio Rampage in der AHL. Dort verzückte er die Zuschauer bereits. Nicht unbedingt immer mit spektakulären Saves, aber dafür mit einer Ruhe, die ein solch unerfahrener Torhüter nur selten ausstrahlt. In 16 Spielen kassierte er nur knapp über zwei Gegentore pro Spiel (2,08). Zum Vergleich: Der etwa gleichaltrige Finne Ville Husso, der bereits drei Jahre Erfahrung als Stammkeeper aus der finnischen Liga mitbrachte, erreichte beim gleichen Team in dieser Saison einen Gegentorschnitt von 3,67.
Vollkommen zurecht wurde er zu Beginn des Jahres in das NHL-Team hochgezogen, um den teilweise strauchelnden Jake Allen (2,83 / 90,5%) zu entlasten. Er lief diesem allerdings den Rang ab und war durch seine starken Leistungen dann sogar mitverantwortlich für das kometenhafte Comeback des Franchises bis knapp unter die 100-Punkte-Grenze am Ende der Saison.
Nur 1,89 Gegentore pro Spiel (Bestwert der ganzen Liga) sowie eine Fangquote von 92,7% machten ihn zu einem absoluten Phänomen der zweiten Saisonhälfte und brachten ihm neben mehreren Erwähnungen in den Top 3 Spielern und Top 3 Rookies der Woche sogar mit in die Diskussion für die Calder Memorial Trophy, die jährlich dem besten Rookie verliehen wird.

Auf der anderen Seite steht mit Connor Hellebuyck ein ebenfalls 25-jähriger Keeper. Der US-Amerikaner steht allerdings in seiner bereits vierten NHL-Saison und dritten als Stammkeeper und bringt wesentlich mehr Erfahrungen aus der besten Liga der Welt mit, hütete letztes Jahr sogar in 17 Playoff-Partien den Kasten der Jets. Diese sehe ich auch als seinen größten Vorteil, denn in den Playoffs kommt es teilweise auch auf die Nerven an. Statistisch liegt er nach seiner überragenden letzten Saison nun wieder eher auf einem durchschnittlichen bis guten Level. Die 2,36 Gegentore pro Spiel (2017/2018) wichen einem Durchschnitt von 2,90 in dieser Spielzeit und auch die Fangquote lag im letzten Jahr bei 92,4% und sank auf 91,3% in 2018/2019.
Vertreten wird er durch 26-jährigen Kanadier Laurent Brossoit, der in seinen 21 Spielen überraschend gute Werte zeigte.

Mein Fazit: Diese beiden Teams hatten in der Regular Season die gleiche Punkteausbeute (99) und werden es auch in der ersten Runde der Playoffs wahnsinnig spannend machen. Eine Tendenz festzulegen, fällt mir hier ungewöhnlich schwer, aber ich tippe letztlich auf ein knappes 4:3 für St. Louis. Ich glaube, sie werden ihren im Januar gestarteten Run fortsetzen und mit mehr Schwung in die Serie starten. Das und ein die Nerven behaltender Jordan Binnington machen letzten Endes den Unterschied.
NHL 19: Für diese Serie hat das PS4-Spiel das einzige für mich recht überraschende Ergebnis simuliert. Letztlich siegte zwar auch St. Louis, aber mit 4:1!

Ryan O’Reilly vs. Mark Scheifele
(Rechte liegen bei der NHL)

Meine Vorfreude auf die Playoffs war auch schon riesig, bevor ich mich an diesen Artikel gestürzt habe. Allerdings muss ich zugeben, dass sich diese nun noch einmal beträchtlich erhöht hat. Da sind allein im Westen ein paar wirklich spannende Duelle dabei, die es absolut zu verfolgen lohnt.
Auch im Osten gibt es diese zweifelsohne, doch dazu komme ich im nächsten Blog-Eintrag. Dieser wird wahrscheinlich erst in ein paar Tagen fertiggestellt sein und damit leicht verspätet, da die Playoffs schon in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag starten werden. Lest trotzdem gern rein!

Soviel Spaß das Schreiben auch gemacht hat, war es doch auch gleichzeitig mehr Arbeit, Recherche und Grübeln über richtige Formulierungen als gedacht. Aus diesem Grund freue ich mich noch mehr als bisher über jeden eurer Verbesserungsvorschläge und auch über lobende und kritisierende Kommentare.

Sportliche Grüße!

— Julian

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