Der DEG-Saisonrückblick #1: Die Torhüter

Seit gut einer Woche steht er fest, der neue deutsche Eishockey-Meister. Die Adler Mannheim krönten eine unfassbar starke Saison dann letztlich hochverdient auch mit dem Titel.
Für meine DEG war das Ergebnis bereits Ende März etwas ernüchternder: Das Ausscheiden im Viertelfinale nach sieben Spielen gegen die Augsburger Panther war zwar ein deutlich besseres Ergebnis, als die beiden elften Tabellenplätze in den beiden vorherigen Spielzeiten. Allerdings bin ich wahrlich nicht der einzige Düsseldorfer Fan, den die Niederlage gegen den Gegner aus Bayern letztlich geärgert hat, weil mehr drin gewesen wäre.

Ich hatte nun einige Wochen Zeit, das rot-gelbe Aus zu verdauen und möchte in meinem Blog nun auf die erwähnte Spielzeit zurückblicken. Dabei nehme ich mich in mehreren Teilen dem Kader der Saison 2018/2019 an und gebe zu jedem Spieler meinen Kommentar ab.
Den Anfang machen heute die Torhüter, die möglicherweise wichtigste Position im Eishockey. Woran liegt das? Während ein Feldspieler nur zwischen 10 und 25 Minuten pro Spiel auf dem Eis steht, hütet der Goalie in den meisten Fällen das ganze Spiel über das Tor und ist auch häufig das Zünglein an der Waage beim Ausgang von knappen Begegnungen.
Aufgrund dieser Tatsache bekommt der Schlussmann eines Eishockey-Teams auch häufiger mal für ein oder mehrere Spiele eine Pause verordnet, die meisten Teams teilen die Position sogar von den Einsatzzeiten her gleichwertig auf zwei Goalies auf. Allerdings gibt es auch die klare Nummer Eins noch bei mehreren Teams der Liga. Beispielsweise absolvierten Gustaf Wesslau (48 Spiele, Köln), Tomas Pöpperle (44, Bremerhaven), Jeff Zatkoff (45, Straubing), Kevin Poulin (43, Berlin) und Dustin Strahlmeier (45, Schwenningen) jeweils einen Großteil der Partien für ihre Mannschaften und etablierten sich als klare Stammkeeper.
Wie es bei uns aussah, erkläre ich euch in den nächsten Abschnitten.

#35 Mathias Niederberger

Wenn über Torhüter der DEG gesprochen und geschrieben wird, kommt man natürlich an einem Namen nicht vorbei: Mathias Niederberger. Das Düsseldorfer Eigengewächs hütete nun bereits im vierten Jahr in Folge unseren Kasten und in diesem Zeitraum glichen seine Leistungen durchaus einer Achterbahnfahrt.

Im ersten Jahr verdrängte er überraschend Bobby Goepfert und war mit nur 2.27 Gegentoren pro Spiel und einer Fangquote von 93% einer der besten seiner Position in der ganzen Liga und das als zu Saisonstart erst 22-jähriger.
Man machte den Fehler und gab ihm in der darauffolgenden Saison den unangefochtenen Stammplatz. Er konnte längst nicht mehr auf die Art und Weise überzeugen wie noch zuvor und kam auf deutlich schlechtere Statistiken. Ein Grund, warum die DEG im Jahr danach den Kanadier Dan Bakala holte, der Niederberger die Show stahl. Da man sich mit diesem nicht über eine Fortführung des zunächst abgeschlossenen Vertrags einigen konnte (wechselte in die EBEL), holte man mit dem unten noch weitergehend diskutierten Schweden Petterson-Wentzel einen Keeper mit Stammplatz-Chancen.

Nun aber zurück zu Niederberger: Unter den Düsseldorfer Fans wurde häufig so daher gesagt „Der Niederberger ist am besten, wenn er einen richtigen Konkurrenten hat“. Klingt abgedroschen, scheint sich aber in den letzten Monaten wieder bestätigt zu haben: Der 26-jährige etablierte sich – für mich durchaus ein wenig überraschend – schon zu Beginn der Hauptrunde als die zumeist erste Wahl für Trainer Harold Kreis. Und das auch scheinbar zurecht. Gleich die ersten vier Saisonspiele ließ dieser Niederberger spielen und der belohnte sich dafür mit vier Siegen (darunter einem Shutout), in denen er nur fünf Gegentore kassiert. Die Fangquotelag noch bei über 95%.
Dass er diese nicht halten können würde, war vorprogrammiert. Dennoch stand er bis zum Wintergame nach 22 Einsätzen bei etwa 93% und war für mich von der ausgestrahlten Ruhe und auch den Statistiken her einer der besten Schlussmänner der Liga.

Leider kam dann der Abwärts-Strudel, aus dem die DEG bis zum Ende der Saison nicht mehr herauskam. Von den letzten 15 Begegnungen konnte man nur noch ein einziges mal drei Punkte mitnehmen.
Nun stellt sich in einer solchen Situation oft die spannende Frage, ob die Torhüter Schuld an der Misere des Clubs sind oder umgekehrt die schlechte Leistung des Clubs auch die Statistiken der Torhüter runterziehen.
Die Wahrheit lag in diesem Fall für mich irgendwo in der Mitte.
Auf der einen Seite standen unfassbar starke Spiele Niederbergers, die von der DEG dennoch nicht gewonnen werden konnten. Man denke an den letzten Spieltag, wo Mathias 44 von 45 Schüssen hielt und wir dennoch 0:2 verloren.
Auf der anderen Seite stand die Tatsache, dass Niederberger statt Werten um die 93% nach dem Wintergame nur noch auf durchschnittlich gut 89% Fangquote kam, ein im Eishockey riesig großer Unterschied, der über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Außerdem wirkte er deutlich unsicherer und unruhiger, als im ersten Saisondrittel.

Als er in die Playoffs startete, hatte ich zugegebenermaßen ein ungutes Gefühl und dies sollte sich auch bestätigen. Das erste Spiel wurde eine Blamage. Sieben Gegentore fing die DEG sich ein und bei etwa drei bis vier davon war Niederberger nicht ganz unschuldig. Kreis reagierte unüblicherweise nicht auf das Torfest der Augsburger und ließ Niederberger zuende spielen.
Spätestens, als dieser sich in Spiel 4 (88,89% Fangquote), Spiel 5 (86,21%) und Spiel 6 (84,21%) absolut auf dem absteigenden Ast befand, hätte der Trainer meines Erachtens nach zwingend mit einem Wechsel des Torhüters regieren müssen.
Am Ende bleibt das ärgerliche Ausscheiden und die Erkenntnis, dass Mathias Niederberger zwei Seiten hat: Die eines absoluten DEL-Topkeepers und die eines maximal 1b-Torhüters.

#53 Fredrik Petterson-Wentzel

Am 21. März 2018 war es soweit: Mit dem Schweden Fredrik Petterson-Wentzel verpflichtete die Düsseldorfer EG einen Nachfolger für den nach Österreich abgewanderten Publikumsliebling der letzten Saison Dan Bakala.
Geschäftsführer Stefan Adam sprach damals von einem „weiteren starken Torhüter neben Mathias Niederberger“ und das musste er auch. Ihn als Nummer Eins auszurufen, wäre dem deutschen Nationaltorhüter gegenüber nicht ganz fair gewesen. Meine Gedanken zu dem Wechsel waren zugegebenermaßen andere: Nach allem, was ich gehört, gelesen und gesehen hatte, bin ich fälschlicherweise davon ausgegangen, mein Club hätte sich einen neuen Stamm-Torhüter gesichert.

Und die Referenzen des damals erst 26-jährigen lasen sich wirklich ansprechend: Bereits 215 Spiele in der höchsten schwedischen Spielklasse SHL für Timrå, Färjestad und HV71, vier Teilnahmen an der Champions Hockey League, Einsätze bei der Junioren-WM 2011 neben Robin Lehner. Und auch wenn er dort nie zum Einsatz kam: Die Atlanta Thrashers hielten 2010 soviel von Petterson-Wentzel, dass sie ihn an 128. Position (5. Runde) im NHL Entry Draft auswählten.

Dass die Landeshauptstädter ihn überhaupt bekamen, hing mit einem Leistungsabfall zusammen, den bei HV71 aus Jönköping in der Vorsaison die ganze Mannschaft zeigte. Am Meistertitel in der Spielzeit 2016/2017 hatte Fredrik Petterson-Wentzel noch großen Anteil, als er mehr als die Hälfte der Spiele absolvierte (30) und durchschnittlich nur 2,17 Gegentore bei einer Fangquote von 91% kassierte.
Es folgte ein ernüchternder achter Platz mit schwachen individuellen Leistungen, in dessen Folge neben zahlreichen Feldspielern auch Wentzel aussortiert wurde und sich bekanntermaßen als Free Agent meinen Düsseldorfern anschloss.

In der Vorbereitung noch ein wenig von Verletzungssorgen geplagt, musste der sympathische Schwede zu Beginn der regulären Saison zuerst einmal noch zuschauen, da sich Kreis in den ersten vier Spielen für einen Einsatz Niederbergers entschied. Beide hatten entscheidenden Anteil an dem historisch erfolgreichen Start der DEG: Nach vier Siegen mit der #35 im Tor, war auch die #53 dreimal bombenstark. Der Einstand für das neu auserkorene Torhüter-Duo war geglückt. Wie Patrick Buzas später im Intro-Video für die Heimspiele anmerkte: „Wir brauchen keine Eins, wir brauchen zwei“.

Im weiteren Verlauf der Saison zeichnete es sich etwas anders ab, als ich vermutet hatte. Die Einsätze für Niederberger wurden mehr, die für Petterson-Wentzel weniger. Meist lag dies allerdings bis zum Wintergame an der bärenstarken Leistung des Deutschen, der es unserem Neuzugang kaum ermöglichte, aus seinem Schatten herauszutreten. Bis zum lang erwarteten Schlagabtausch im Kölner Fußballstadion machte der so freudig erwartete neue Goalie nur 15 von 37 Spielen, wich also ganz klar an die 1b-Stelle. Zwar zeigte er gerade im Spiel mit dem Schläger außerhalb des Tores klare Schwächen und Unsicherheiten, doch hätte man ihm in den folgenden Wochen häufiger die Chance geben müssen, sich zu beweisen.
Hierzu einmal eine spannende Statistik: Mit Niederberger im Kasten verloren wir zehn von elf Spielen nach dem Wintergame. Mit Petterson-Wentzel jedoch gewannen wir drei von vier der Begegnungen. Zufall? Oder tatsächlich ein Zeichen, dass der Schwede bereit war für mehr Einsätze?

Dass dann die Verletzungssorgen in der Abwehr uns dazu zwangen, mit dem ebenfalls schwedischen Staatsbürger Nichlas Torp eine weitere Ausländerlizenz zu vergeben und diese nur durch einen Tribünenplatz für Wentzel ausspielen zu können, empfand ich als ungemein bitter für den 27-jährigen. Auch wenn es aus strategischen Gründen durchaus nachvollziehbar war. Dass er auch dann nicht mehr zum Einsatz kam, als die Verletzungen überwunden waren und sein Konkurrent in den Playoffs erschreckend schwache Spiele hatte, gibt seinem Ende bei uns einen faden Beigeschmack.
Ich hätte Petterson-Wentzel gern noch eine weitere Saison bei uns gesehen, um die Entwicklung seines vollen Potentials zu sehen. Dies war nach dem Verlauf der Spielzeit allerdings eher unwahrscheinlich und so kam es auch: Gut zwölf Monate nach der Verkündung seines Transfers zu uns gab die DEG bekannt, ihm keine Verlängerung gegeben zu haben. Ich bin gespannt, wie er sich anderswo entwickeln kann.

#32 Hendrik Hane

Erst im Jahr 2000 wurde unsere Nummer Drei in Düsseldorf geboren und fing schon in frühester Kindheit an, in seiner Heimatstadt Eishockey zu spielen. Das tut der nur 177cm große Torwart auch heute noch. Naja, fast immer: Neben elf Einsätzen für unser DNL-Team sammelte er in dieser Saison auch 13-mal Spielpraxis beim nun ehemaligen Kooperationspartner EC Bad Nauheim.

Die „roten Teufel“ unter Cheftrainer und DEG-Urgestein Christoph Kreutzer versprachen sich damit eine Entlastung des ebenfalls ehemaligen DEG-Keepers Felix Bick.
Während er in der DNL-Mannschaft – wie man häufig mitbekam – häufig glücklos war und das Team nicht aus einer eher enttäuschenden Saison retten konnte, konnte man die Einsätze in der zweithöchsten deutschen Spielklasse durchaus als souverän bezeichnen. Mit etwa drei Gegentoren pro Spiel und einer Fangquote von 91,1% erspielte der erst 18-jährige sich die Gunst vieler Fans beim Zweitligisten.

Beim EC wird er in 2019/2020 nicht mehr spielen, da Düsseldorf sich voraussichtlich einen anderen Kooperationspartner suchen wird. Zum Glück kann Hane noch weiter in der DNL bleiben, da diese für U20-Spieler ausgelegt ist. Für seine Entwicklung wäre es aber sicherlich förderlich, wenn er abermals in die DEL2 oder auch Oberliga verliehen werden könnte, um gegen erwachsene Männer spielen zu können und sich vor Publikum und im Profibereich beweisen zu können.
Sollte dann einmal Not am Mann sein, wäre es schön, wenn man ihn flexibel abziehen könnte, um ihn bei einer Verletzung in der ersten Mannschaft auf die Bank setzen zu können. Ein dauerhafter Platz direkt hinter Mathias Niederberger wäre hingegen definitiv verfrüht. Ich wünsche ihm aber, dass er sich dies als mittelfristiges Ziel setzt und uns erhalten bleibt.
Nicht zu Unrecht vertrat er Deutschland bei der B-WM des U20-Teams und hatte mit fünf Einsätzen, wahnsinnigen 0,98 Gegentoren pro Spiel und knapp 95% Fangquote entscheidenden Anteil am Aufstieg in die Top-Division.

#1 Patrik Cerveny

Sehr kurz fassen möchte ich mich beim vierten Torhüter, dem 22-jährigen Deutsch-Tschechen Patrik Cerveny. Zwar gehörte dieser nie ganz offiziell zum Kader der Düsseldorfer EG, jedoch konnten wir ihn uns für den Dolomiten Cup von den Moskitos Essen ausleihen, um den angeschlagenen Fredrik Petterson-Wentzel zu ersetzen. Das wurde damals nötig, weil Hendrik Hane an dem Wochenende schon für das DNL-Team verplant war. Und verdient hatte sich Cerveny diese Reise nach Südtirol allemal, nur kurz vorher hatte er beim Freundschaftsspiel gegen uns noch dafür gesorgt, dass es „nur“ 0:4 aus Sicht der Moskitos ausgegangen war.

Für die DEG ist es wirklich schade, dass keine exklusive Kooperation mit den Essenern besteht, die uns zum Beispiel ein Vorrecht auf Talente wie Julian Lautenschlager (wechselte zu Iserlohn) oder auch Patrik Cerveny geben würde. Letzterer führte die Moskitos mit nur 2,57 Gegentoren pro Spiel auf einen starken fünften Platz, der sogar höher hätte ausfallen können. Mit 43 Einsätzen aus 48 Spielen erwies er sich außerdem als absoluter Dauerbrenner zwischen den Torstangen.

In Zukunft wird er dem Verein aus dem Ruhrgebiet wohl nicht erhalten bleiben, mehrere höherklassige Vereine hatten ihre Fühler ausgestreckt. Zwar ist hier noch nichts offiziell, allerdings sollen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven die besten Chancen haben. Von dort aus könnte es zum Beispiel zum Kooperationspartner Crimmitschau (DEL2) gehen. An viele Einsätze in Deutschlands höchster Spielklasse glaube ich – wie auch schon bei Hendrik Hane – noch nicht.

Damit möchte ich zum Ende des ersten Teils meines Saisonrückblicks kommen. Es ist länger und informativer sowie auch statistischer geworden, als gedacht und ich möchte noch nicht versprechen, dass sich diese Serie auch in dem Umfang fortführt.
Ich freue mich aber bereits auf eure Meinung bezüglich meiner Analysen zur vergangene Saison.
Ein wichtiger Hinweis dazu: Natürlich kann man sich beim Thema Sport und gerade bei Leistungen einzelner Spieler nie einig sein. Und ich würde absolut nicht behaupten, mit jeder Vermutung oder Aussage richtig zu liegen. Wenn ihr aber sachlich bleibt, lasse ich mich gern auf jede Diskussion ein und freue mich auf regen Austausch.

Sportliche Grüße!

— Julian

Ein Kommentar zu „Der DEG-Saisonrückblick #1: Die Torhüter

  1. Sehr gute Zusammenfassung und Analyse, daß neugierig auf Deine nächsten Saisonrückblicke unserer DEG macht.
    Weiter so Grüße Frank

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