Der DEG-Saisonrückblick #4: Die Center

Es ist schon einige Zeit her, dass der letzte Teil meines DEG-Saisonrückblicks erschien. Falls ihr es nicht mitbekommen haben solltet: In der Zwischenzeit habe ich Beiträge über die deutschen Teams in der Champions Hockey League (hier) und das Stanley Cup Finale (hier) geschrieben. Reinlesen lohnt sich!

Doch nun soll es endlich wieder weitergehen mit meinem Blick auf die vergangene Düsseldorfer Saison und die individuellen Leistungen der Spieler. Im vierten von sechs Teilen nehme ich mir heute die Center vor.
Mich persönlich interessiert die Position ganz besonders und auch noch mehr, als die der Flügelspieler. Begründen lässt sich das mit der für mich so wichtigen und teilweise unterschätzten Aufgabe, die ihnen zugeschrieben wird. Sie müssen den Überblick über das Spielfeld bewahren, eine Art Dirigent für ihre Mitspieler sein, heutzutage verstärkt offensive und auch defensive Fähigkeiten mitbringen und in den meisten Systemen als Haupt-Vorlagengeber agieren.

Haben Alexander Barta, Kenny Olimb, Patrick Buzas und Christian Kretschmann diese Anforderungen komplett oder zumindest teilweise erfüllt? Das möchte ich in den folgenden Abschnitten analysieren.

#29 Alexander Barta

Der inzwischen zum Kapitän gewordene Alexander Barta hat eine Zeit mit Höhen und Tiefen bei der DEG hinter sich. Als man ihn vor der Saison 2016/2017 mit einem Dreijahres-Vertrag ausstattete , war ich zwar froh über seine Verpflichtung, aber skeptisch aufgrund der Länge des Kontrakts. Während junge und vielversprechende Spieler nur Laufzeiten von einem Jahr erhielten, bekam ausgerechnet der schon 33-jährige gleich drei Jahre.
Die Skepsis sollte sich während der Saison noch in blankes Entsetzen umwandeln. In einer schwachen DEG-Saison des ganzen Teams war er das Sinnbild für Erfolglosigkeit und mangelnden Einsatz. In 44 Spielen gelangen dem ehemaligen Kapitän der Hamburg Freezers und des EHC Red Bull München nur magere zwölf Scorerpunkte. Er wurde von der zweiten bis in die vierte Reihe und schließlich auf die Tribüne degradiert und erlebte die wohl enttäuschendste Saison seiner ganzen Karriere. Ich schloss mich der langen Reihe von Fans an, die eine Auflösung des Vertrags forderten.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Gut, dass eine solche Entscheidung nicht von den Fans getroffen wird. Der Verein gab dem Veteranen eine weitere Chance, weil man wohl entweder an ihn glaubte, oder eine Vertragsauflösung zu teuer gewesen wäre. Sei’s drum, denn Barta zahlte das Vertrauen zurück. Er arbeitete – wie man hörte – den ganzen Sommer und entwickelte sich unter dem nachfolgenden Trainer Mike Pellegrims so sehr zum Leistungsträger und Führungsspieler, dass ihn Harold Kreis ein weiteres Jahr später kurzerhand mit der Kapitänsbinde ausstattete. Und das absolut zurecht!
Neben seinem zumeist absolut vorbildlichen Auftreten und stetigem Einsatz zahlte er es der DEG auch in Leistungen zurück: In den vergangenen beiden Saisons absolvierte er 108 Spiele und war an 96 Toren beteiligt (43 Tore, 53 Vorlagen).

Einen größeren Anteil dieser Ausbeute sammelte er davon sogar in der kürzlich abgelaufenen Saison, konnte sich also nochmal steigern.
Zwar haperte es zwar beim Toreschießen hin und wieder etwas, aber dafür legte er umso häufiger für seine Mitspieler auf, welche über fast die komplette Saison Jaedon Descheneau und Philip Gogulla waren. Die drei waren meines Erachtens nach auch bei Absetzen der Fanbrille eine der oder sogar die stärkste Reihe der ganzen Liga.

Doch der gebürtige Berliner fiel nicht nur beim Scoring auf. Er ging außerdem auf dem Eis voran, strahlte Souveränität und Kampfgeist aus und überzeugte auch in anderen Statistiken. So hatte er beispielsweise eine Bullyquote von knapp 56%, landete mit 507 gewonnenen Faceoffs absolut sogar auf dem siebten Platz in der Liga.
Und: Auch in den Special Teams glänzte er. Neben soliden Leistungen in dem einen oder anderen Penaltykilling führte er vor allem die erste Powerplay-Formation mit den bereits erwähnten Mitspielern an, erzielte stattliche acht Treffer. Nur Eisenschmid (Mannheim), MacQueen (Berlin), Urbas (Bremerhaven) und Gogulla (ebenfalls Düsseldorf) konnten mehr Tore in Überzahl schießen.

Abschließend kann ich sagen: Nach so viel Skepsis und Kritik in seiner ersten Saison in rotgelb, hat der inzwischen 36-jährige sich in die Herzen der meisten DEG-Fans gespielt – zumindest in meines! Seine im Dezember kommunizierte Verlängerung um zwei weitere Jahre hat mich sehr gefreut. Und das nicht nur, weil dann nach Niki Mondt, Daniel Kreutzer und Patrick Köppchen ein weiterer Veteran von hunderten DEL-Spielen seine Karriere in der schönsten Stadt am Rhein beenden wird.

#40 Ken-Andre Olimb

Zum Thema legendäre DEG-Spieler: Das ist ein Ken-Andre Olimb natürlich noch nicht, aber schon von 2013 bis 2016 war er einer der absoluten Fan-Lieblinge in Düsseldorf. Neben seiner unfassbar sympathischen Art (der Norweger lächelt oder grinst gefühlt fast durchgehend), konnte er sich auch mit allerlei Toren und Vorlagen einen Ruf erarbeiten. Ob mit Andreas Martinsen und Michael Davies in einer Reihe oder auch Manuel Strodel und Norm Milley neben sich, der nur 178cm große Center wusste sich immer zu beweisen. In seinen drei Jahren absolvierte er damals 156 Einsätze und krönte diese mit 128 Torbeteiligungen, bevor es ihn nach Schweden zog, wo er wieder mit seinem Bruder Mathis Olimb zusammenspielen wollte.

Es sollte nicht überraschen, dass die Rückkehr der Nummer 40 vor dieser Saison eine rege Begeisterung auslöste, die sich bis zum Saisonstart hielt, wo man ihn dann endlich wieder auf dem Eis sehen konnte. Doch konnte „Kenny“ den Erwartungen rückblickend gerecht werden? Die Antwort lautet: Nur zum Teil.
Bei genauem Hinschauen ließ sich seine Klasse in jedem Fall erkennen. Er brachte in guter Form eine Puckkontrolle, Hand-Augen-Koordination und Genauigkeit in seinen Aktionen mit, die in der Liga ihresgleichen suchte. Technisch verzauberte er mich also nach wie vor. Doch woran lag es dann, dass er nicht an seine Form von vor einigen Jahren anknüpfen konnte?

Leider spielte sich die Reihe während der ganzen Saison nie in eine besonders starke Phase. Ken-Andre Olimb und der noch mehr enttäuschende Calle Ridderwall spielten mit wechselnden dritten Mann (Flaake, Henrion, Niederberger…) und trotteten häufig nach Shifts demotiviert vom Eis, die abermals nicht den ersehnten Erfolg gebracht hatten.
Auch beim Scoring haperte es dementsprechend häufig. Die tollen technischen Fähigkeiten waren oft brotlose Kunst, „nur“ 31 Punkte in 50 Saisonspielen sprangen heraus. Klingt solide, ist allerdings nicht das Niveau, dass man sich erhofft und ein Stück weit auch erwartet hatte. Aufgrund dessen war Trainer Harold Kreis zu oft auf seine erste Reihe angewiesen, um Spiele zu gewinnen, was der DEG wohl letztlich auch das Genick gebrochen hat.

Abschließend glaube ich aber, dass die gezeigten Leistungen der vergangenen Spielzeit noch lang nicht alles waren, was Olimb zu bieten hat. Ich werte es eher als Ergebnis der nicht funktionierenden Reihe im Allgemeinen und erwarte mit Spannung, mit wem Olimb in der nächsten Saison kombiniert wird. Er wird dabei aber sicher Stück für Stück in seine alte Form zurückfinden und uns in den verbliebenden zwei Jahren seines Vertrags noch viel Spaß machen, da bin ich mir sicher!

#21 Patrick Buzas

Während die Center der ersten beiden Reihen meist stark in das Scoring des jeweiligen Teams eingebunden sind, kommt diese Aufgabe weniger häufig den zentralen Spielern der unteren beiden Reihen zu. Für sie ist es oft umso wichtiger, defensive Aufgaben wahrzunehmen, dem Gegner Kraft und Kondition zu nehmen, den Puck zu halten oder das Unterzahlspiel anzuführen.
Für diese Aufgaben sicherte man sich bereits im April letzten Jahres die Dienste des ehemaligen Nationalstürmers Patrick Buzas.
Der gebürtige Augsburger sah sich nach sechs Jahren für die Thomas Sabo Ice Tigers nach einer neuen Herausforderung um und fand diese in Düsseldorf. Und die Fans der Nürnberger reagierten durchaus mit Trauer oder Verständnislosigkeit, viele hatten den zuverlässigen Arbeiter sehr geschätzt.

Die in Nürnberg gezeigten Fähigkeiten konnte der Deutsch-Ungar auch in Düsseldorf aufs Eis bringen. Nach hinten stand er stets sicher, ließ nur wenige erfolgreiche Kontersituationen zu. Dieser auf die Defensive ausgerichtete Überblick sorgten auch dafür, dass er das Penaltykilling vielfach anführen durfte.
Und genau dieses Special Team war eine absolute Stärke der DEG: Mit nur 25 Gegentoren aus 202 Unterzahlsituationen hatte das Team der Düsseldorfer sowohl absolut die wenigsten Gegentore mit einem Mann weniger, also auch prozentual. Mit 87,62% Penaltykilling-Quote schlug man hier statistisch jedes andere Team der DEL. Meiner Meinung nach lässt sich ein großer Teil dieses Erfolgs Buzas zuschreiben.

So stark er defensiv war, so unauffällig war er wiederum oft im Spiel nach vorn. Und hier wähle ich bewusst nur die Formulierung „oft“ und nicht „immer“ oder „meistens“. Denn mit 10 Scorerpunkten und 7 Toren stellte er Marken auf, die er in sechs Saisons für die Thomas Sabo Ice Tigers nie erreichen konnte. Ich hätte mir von ihm allerdings den einen oder anderen Assist mehr gewünscht, zumal er mit Spielern wie Jerome Flaake oder Braden Pimm nicht gerade spiel- und schussschwache Reihenkollegen an die Seite gestellt bekam.

Eine zweite Schwäche offenbart sich ebenfalls mit Blick auf die Statistiken: Der Two-Way-Stürmer konnte nur 43,73% seiner Bullys gewinnen. Allerdings muss man diesen Wert zumindest etwas relativieren, da er durch viele Einsätze im Penalty Killing natürlich auch gegen viele erstklassige Center antreten musste. Dennoch wäre hier eine Steigerung angenehm, denn die DEG kam durch verlorene Faceoffs häufig nicht in den nötigen Spielfluss.
Trotz der beiden erwähnten kleinen Schwächen war ich mit den Leistungen unserer Nummer 21 sehr zufrieden und bin froh, dass er vorzeitig um zwei weitere Saisons verlängert hat. Auf diese Weise können wir seine ebenfalls beschriebenen Stärken noch bis mindestens 2021 begutachten.

#93 Christian Kretschmann

Kommen wir im nunmehr letzten Abschnitt zu Christian Kretschmann. Dem auf dem Papier und auch von den Leistungen her vierten Mittelstürmer der DEG, bei dem ich mich relativ kurz halten möchte.
Der 26-jährige verstärkte das Team von Cheftrainer Harold Kreis frisch zur abgelaufenen Saison und fügte sich erwartungsgemäß in seine Rolle in der vierten Reihe ein und verließ diese auch nur bei Verletzungen eines der bereits genannten Center.

Ich war bereits bei Krefeld und Augsburg kein großer Fan des sehr unauffällig spielenden Stürmers und wurde mit ihm auch in seinem ersten und vorerst letzten Jahr nicht warm. Mit sieben Punkten brachte er sich nur erwartungsgemäß marginal in das Scoring ein, schwankte aber auch defensiv irgendwo zwischen unauffällig und wackelig. Immerhin leistete er sich selten größere Patzer. Dazu gewann er nur 160 seiner 275 Duelle im Bullykreis, womit er den schlechtesten Wert der DEG-Center erreichte.

Auch Harold Kreis schien nicht überzeugt: Nur Stefan Reiter bekam bei den Stürmern weniger durchschnittliche Shifts pro Spiel. Zudem wurde der Vertrag des gebürtigen Mönchengladbachers nicht zu Unrecht nicht um ein weiteres Jahr verlängert.

Ich hoffe, es hat euch trotz der längeren Pause seit dem letzten Beitrag wieder einmal gefallen, meine Analyse zu lesen.
Seid ihr meiner Meinung? Vermutlich nicht in allen Punkten. Lasst mir gern einen Kommentar da.

In den letzten beiden Episoden wird es sich dann zuerst um die deutschen Flügelspieler, und dann um die AL-Flügelspieler drehen, sodass wieder etwa vier bis fünf Mitstreiter des letztjährigen Kaders unter die Lupe genommen werden können. Bis dahin wünsche ich euch weiterhin eine entspannte Sommerpause und sage wie immer…

Sportliche Grüße!

— Julian

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