Bei der Analyse des letztjährlichen DEG-Kaders begeben wir uns so langsam auf die Zielgerade. Immerhin fehlt nach den Torhütern, Verteidigern und Centern nur noch eine Position: Die Flügelspieler, im Herkunftsland des Eishockeys auch „Winger“ genannt: Da diese Position von acht bis zwölf Spielern eines Teams bekleidet wird, habe ich mich für eine nochmalige Unterteilung entschieden.
Hier bin ich jedoch nicht auf die klassischen linken und rechten Flügelspieler gegangen, denn für eine klare Einordnung diesbezüglich sind die meisten Spieler heutzutage zu variabel. Anstelle dessen habe ich – wie schon bei den Verteidigern – in deutsche und internationale Akteure unterteilt. Heute geht es also los mit den deutschen Flügelspielern der DEG und mit einer Episode in Extralänge: Es sind nämlich derer sechs, die es heute zu betrachten gilt.

#87 Philip Gogulla
Wie schon in den letzten Ausgaben, fange ich auch hier mit dem stärksten Spieler an. Und die Entscheidung für den ersten Spieler fiel leichter, als je zuvor.
Der gebürtige Düsseldorfer Philip Gogulla kehrte nach 14 Jahren im Feindesland – mit kurzer Unterbrechung in Nordamerika – in seine Heimat zurück, um eine neue Herausforderung anzunehmen. In Düsseldorf wohnen geblieben war der Rotschopf sowieso während seiner Kölner Zeit, es war also für ihn eine wegtechnische Erleichterung und kein Umzug, wie er sonst meist bei einem Wechsel nötig wird.
Sein Wechsel wurde von beiden Seiten mit gemischten Gefühlen gesehen: Bei den Kölner Fans gab es die dankbaren und ewig treuen Gogulla-Fans, die sogar teilweise mit Haie-Trikot bei DEG-Events auftauchten, um ihr Idol zu sehen. Und dann gab es da die, die ihm Tod und Hass wünschten, weil er sie verraten habe.
Und auch in Düsseldorf war von Begeisterung bis zu Reaktionen wie „Jetzt brauchst du auch nicht mehr zu kommen“ alles dabei.
Doch kommen wir zum Sportlichen: Hier hatte ich ihn nach einer eher mittelmäßigen letzten Saison vorerst als Spieler für die zweite Reihe gesehen. Immerhin musste er sich nach einer halben Ewigkeit in ein und demselben Club nun erstmal neu beweisen, hatte keinen Platz in der Hierarchie sicher. Wie sehr ich mich doch getäuscht habe. Gemeinsam mit Alexander Barta und Jaedon Descheneau mischte er als eine der besten Reihen überhaupt die Liga auf und trat – im Gegensatz zu seinen beiden Mitstreitern – vor allem beim Toreschießen in Aktion. Hier erreichte der Mann mit der Trikotnummer 87 einen Karriere-Bestwert von 26 Toren. Davon neun im Powerplay und sechsmal war es das Game Winning Goal.
Man könnte nun meinen, dass er die Vorlagen komplett seinen beiden Mitspielern überließ. Doch auch hier sammelte er 26 Zähler und kam somit auf 52 Punkte in 52 Spielen – ebenfalls Bestwert seiner langen Karriere. Ganz nebenbei sicherte er sich dafür auch noch den Titel als bester Stürmer des Jahres bei der DEL-Gala in Bremerhaven im vergangenen März.
Abschließend hat mir Philip Gogulla spielerisch enorm gut gefallen. Er war schnell, aufmerksam, hatte ein auffällig gutes Stellungsspiel, motivierte seine Mitspieler in scheinbar ausweglosen Situationen und wirkte auch nach knapp zwanzig Minuten Eiszeit (Durchschnitt: 18:57) nicht so ausgelaugt, wie es andere in seinem Alter vielleicht würden.
Besonders herausragend war natürlich sein Schuss. Aus allen Lagen gefährlich von ruhender Position bis zur Direktabnahme. Und dabei zielte der 31-jährige sehr genau und schoss nicht einfach drauf los. Seine Schussquote von 22,81% sicherte ihm den besten Wert aller DEG-Akteure. Und auch ligaweit lag nur Jacob Berglund von den Krefeld Pinguinen unter den Stürmern mit ähnlicher Ausbeute bei der Genauigkeit noch weiter vorn (23,4%).
Sein Abgang zum EHC Red Bull München ist sehr bedauerlich, weil er sich hier noch in den letzten Karriere-Jahren einen Legendenstatus hätte erarbeiten können, den seine Düsseldorfer Herkunft noch multipliziert hätte.
Er jedoch erwartet sich in der bayerischen Landeshauptstadt etwas anderes: Seinen lang ersehnten ersten Meistertitel, der ihm schon bei den Haien dreimal knapp vergönnt war (Finale 2008, 2013, 2014). Dass er die Wahrscheinlichkeit eher in München sieht, kann man ihm kaum verübeln.
Letztlich hat er den Düsseldorfer Fans auch nie versprochen, seine Karriere hier zu beenden und man kann ihm deshalb auch keine Untreue vorwerfen. Die Glücklichen sind nun die Fans des EHC: Sie erhalten den vielleicht besten deutschen Stürmer als Ergänzung für ihre sowieso schon starken Reihen.
#90 Jerome Flaake
Unser nächster Stürmer bleibt uns zwar noch zwei Jahre erhalten, er wiederum kam aber vor der abgelaufenen Saison aus München zu uns, ging also den umgekehrten Weg. Und der Weg des Jerome Flaake war einer mit Licht- und Schatten-Seiten. Der 41-fache deutsche Nationalspieler dürfte den meisten Eishockey-Fans wahrscheinlich aus seiner Zeit bei den inzwischen aufgelösten Hamburg Freezers bekannt sein. In der Geschichte der Kühlschränke wird er auf ewig drei zweite Plätze in den Kategorien Spiele (293), Tore (94) und Punkte (210) einnehmen.
Mit der Vereinsauflösung im Jahr 2016 sicherten sich die damals aufstrebenden Münchener die Dienste des Auto-Freaks. Im mit Stars gespickten Kader des dreifachen DEL-Meisters ging Flaake jedoch unter, sammelte zum Schluss nur noch acht Punkte (zwei Tore) in 41 Spielen. Aus diesem Grund löste er seinen Vertrag auf, kehrte Bayern den Rücken und kam zurück ins Rheinland, das er aus seiner Zeit bei den Kölner Haien von 2007 bis 2010 bereits kannte.
Er selbst sah sich durch Plätze in der dritten und vierten Reihe der Chance genommen, seine Leistungen bringen zu können, die Münchener Fans sahen in ihm eine riesige Enttäuschung. Die Wahrheit wird irgendwo in der Mitte gelegen haben.
In der Saison 2018/2019 und für die Düsseldorfer – bei denen er gleich für drei Jahre unterschrieb – sollte alles anders werden.
Und dafür sah es auch zuerst gut aus, plante ihn Harold Kreis doch mit den spielstarken Kenny Olimb und John Henrion in der zweiten Reihe ein. Dann jedoch erlitt Flaake eine Mittelfußfraktur, fiel wochenlang aus, verpasste den Saisonstart und einige weitere Spiele. Er tat mir in dieser Phase besonders Leid, weil der so gute Start der DEG ihn mitgerissen hätte und als Anschubser für eine wirklich gute Saison hätte dienen können.
Aufgrund einer weiteren Verletzung im späteren Verlauf wurden es am Ende nur 22 absolvierte Spiele, doch wenn er auf dem Eis stand, hat er tolle Ansätze gezeigt. Oft stand er richtig, setzte gute Schüsse an und ließ Lichtblicke seiner Qualitäten zeigen. Und trotz seiner Verletzungen und der dadurch löchrigen Saison erreichte er immrhin acht Scorerpunkte. Ebenso viele, wie im Jahr zuvor, aber in nur etwa der Hälfte der Spiele.
Hätte er die komplette Saison über ohne Verletzungen in der zweiten Reihe spielen können, wäre diese vielleicht etwas konkurrenzfähiger geworden und meiner Ansicht nach wäre er dann für 30 Punkte und 10-15 Tore gut gewesen. Doch das sind natürlich nur Mutmaßungen.
Wichtig wird es für den gebürtigen Brandenburger sein, mit voller Konzentration und vollem Einsatz die Vorbereitung auf die neue Saison anzugehen, sich Tag für Tag zu beweisen und Verantwortung zu übernehmen. Sollte das klappen und er verletzungsfrei bleiben, dann wird man im Dome noch viel Spaß an ihm haben.
#17 Leon Niederberger
Um sich auch nachhaltig weiterentwickeln zu können, ist es immer wichtig, auch Eigengewächse selbst auszubilden. Wie beispielsweise den gebürtigen Düsseldorfer Leon Niederberger.
Während Bruder Mathias bereits seit ein paar Jahren eine größere Rolle spielt, zog sein Bruder Leon nun nach und spielte seine erste vollständige Saison im rotgelben Dress. Und das durchaus erfolgreich!
Zu Beginn der Saison wurde der 23-jährige vorwiegend zusammen mit Manuel Strodel und Lukas Laub in der vierten Reihe eingesetzt, wo er schon seine Geschwindigkeit und sein Gefühl für das Spiel beweisen und auch hin und wieder scoren konnte. Über den Verlauf der Saison würde die vierte Formation sein überwiegendes Zuhause werden, je nach Situation im Kader wurde er jedoch hin und wieder auch in der zweiten und dritten Reihe eingesetzt. Seine Leistungen: Stets solide und absolut Lust auf mehr machend.
Es wurden am Ende 14 Punkte (7 Tore, 7 Assists) in 41 Spielen für den jungen Düsseldorfer, der fast immer ein Lächeln auf den Lippen hatte und neben dem Eishockeyspielen auch noch seine Musik-Karriere vorantrieb, gekrönt mit einem Auftritt im ZDF-Fernsehgarten.
Der Höhepunkt war dann möglicherweise die erstmalige Berufung in den Kader der deutschen Nationalmannschaft zum Deutschland Cup in Krefeld, für den Niederberger sogar seinen Spanien-Urlaub abbrach. Zwar konnte er dort nicht nennenswert auffallen, aber man wird ihn sicher in Zukunft noch einmal in schwarz-rot-gold sehen.
Der Tiefpunkt kam dann zusammen mit der Vertragsverlängerung: Beim Heimspiel gegen die Thomas Sabo Ice Tigers im Januar zog er sich eine Kapsel-/Bandverletzung an der Schulter zu und stand somit vor dem Saisonaus.
Es bleibt zu hoffen, dass es bei ihm zu einer schnellen Heilung kommt und er in der nächsten Saison wieder voll angreifen kann. Es geht dann für ihn darum, sich einen Platz in der dritten Reihe zu erspielen. Das Zeug dazu und auch zu noch mehr hat er in jedem Fall. Seine Zukunft bei der DEG verfolge ich mir großer Spannung.
#94 Lukas Laub
Kommen wir zum ersten der drei Spieler, denen die Düsseldorfer EG keinen neuen Vertrag für die kommende Saison gegeben hat. Der 25-jährige Lukas Laub gehört dazu, er hat sich inzwischen den Bietigheim Steelers in der DEL2 angeschlossen. Und warum das vielleicht eine gute Idee sein könnte, erkläre ich unten.
Doch zuerst zu seiner Vorgeschichte: Er kam zu uns als ein durchaus solider Scorer der DEL2, also der zweithöchsten Spielklasse im deutschen Eishockey. Für die Löwen Frankfurt machte er 24 Tore und 37 Assists (61 Punkte) in 89 Spielen. Außerdem war er in den Playoffs 2016-2017 ein entscheidender Faktor für den Titelgewinn der Frankfurter, konnte starke 16 Scorerpunkte in 14 Spielen verbuchen.
Er verließ die Hessener also mit besten Referenzen und sicher nicht zu deren Begeisterung in Richtung erster Liga, zumal er damals gerade erst 23 geworden war und junge deutsche Spieler stets überaus gefragt sind.
Das war 2017, er hat also nun zwei Saisons in Düsseldorf verbracht und das klare Fazit: Mittelmäßig. Der gebürtige Rosenheimer konnte in 101 Spielen insgesamt 23 Torbeteiligungen sammeln. Doch: Im Gegensatz zu einem Leon Niederberger spielte Lukas Laub auch häufig in der dritten Formation und nicht nur ganz unten in der vierten Reihe.
Er fiel neben Patrick Buzas zwar häufig durch seine Schnelligkeit oder auch den einen oder anderen guten Schuss auf, allerdings war über die zwei Saisons nicht die nennenswerte Steigerung ersichtlich, die er nötig gehabt hätte. Und dazu kam hin und wieder auch mal eine unnötige Strafzeit, die ihm in der teils wenigen Zeit auf dem Eis besser nicht passiert wäre.
Letztlich ist er für einen Spieler, der nicht unter die U23-Regel fällt, nicht gut genug, weil er genau diesen jungen Spielern einen Platz in den beiden unteren Reihen wegnehmen würde.
Ein Wechsel zurück in die zweite Liga wird ihn wieder auf ein Niveau bringen, auf dem er deutlich mehr auffallen und punkten kann. Vielleicht ja sogar in einer Hochgeschwindigkeits-Reihe zusammen mit Alexander Preibisch, wer weiß.
#20 Manuel Strodel
Ich möchte nun einige Sätze zu Manuel Strodel loswerden, der mir in der Zeit als DEG-Fan zu einem der absoluten Lieblingsspielern wurde und neben Bernhard Ebner auch inzwischen schon beinahe das Urgestein des Kaders war. Und das trotz seines noch recht niedrigen Alters von 27 Jahren.
Doch der Mann aus dem Allgäu war immer da: Bereits 2008 machte er seine ersten Schritte in den DEG-Jugendteams, bevor er dann seit nunmehr 2012 zum festen Kern des Kaders gehört.
Und er hat dabei alles erlebt: Von zwei letzten Tabellenplätzen bis zur Champions Hockey League, vom Aushilfsspieler in der vierten Reihe bis zum 21-Punkte-Scorer in einer Reihe mit Kenny Olimb und Norm Milley, vom Fanliebling bis zum… nunja Fanliebling. Denn letzteres hat sich nie geändert.
Und das auch zurecht: Zwar fiel Manuel Strodel meist nicht durch viele Tore oder Vorlagen auf, doch gab er für sein Team stets alles. Wo andere bereits aufgegeben hatten, machte Manuel Strodel immer noch mal dutzende Meter Laufleistung mehr wett. Wo andere aus der Schussbahn flüchteten, warf Manuel sich in jeden Kracher von der blauen Linie hinein, beinahe ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Dass er sich damit in die Herzen fast aller Fans spielte, dürfte klar sein.
Als dann vor einigen Wochen die Abgänge von insgesamt zwölf Spielern (darunter Leute wie Ex-Topscorer Calle Ridderwall) bekanntgegeben wurde, war ich mit Abstand am traurigsten über den von Manuel Strodel.
Doch rein Leistungsorientiert betrachtet ergibt es Sinn: Strodel ist keiner von den jungen Wilden mehr, wie er sie mit Preibisch und Fischbuch seinerzeit bildete. Und für einen ausgewachsenen Spieler mit nur noch wenig Luft nach oben, brachte er zum Schluss einfach zu wenig mit, um einen Stammplatz in der ersten Liga sicher zu haben.
#89 Stefan Reiter
Der sechste und letzte deutsche Flügelspieler der vergangenen Saison verstärkte uns als damals 21-jähriger eher als Ergänzung. Da er bislang hauptsächlich in der dritten Liga (EHC Bayreuth, Tölzer Löwen, EV Landshut) gespielt hatte, sah ich in ihm eher jemanden für die Zukunft, der aber hauptsächlich für Kooperationspartner Bad Nauheim spielen sollte.
Das kam allerdings anders: Aus Mangel an Alternativen und da er für sein Alter und seine Vorgeschichte etwas solidere Leistungen als erwartet erbrachte, wurden es letztlich 30 Spiele in der DEL (3 Tore, 2 Vorlagen) und nur 10 Spiele in der DEL2 (1 Tor). Dabei war es sogar häufiger die dritte Sturmreihe, als beispielsweise beim DEL-erfahrenen Akteur Manuel Strodel.
Und man konnte auch zu Beginn der Saison nicht sagen, dass Stefan Reiter diesen Platz nicht verdient hatte. Er spielte spritziges, schnelles Eishockey und brachte sich hin und wieder auch gut in Position. Allerdings wurde er auch davon mitgerissen, dass die gesamte Düsseldorfer EG in einem Stimmungs-Hoch steckte.
Rückblickend lässt sich bei ihm aber dennoch feststellen, dass die erste Liga noch etwas zu früh kam und er sich über die zweite Liga rantasten sollte. Diese Chance bekam er bei uns nicht, da er in Bad Nauheim von Trainer Christof Kreutzer als sporadische Unterstützung eher in unteren Reihen und nur mit wenig Eiszeit glänzen durfte.
Es bleibt ihm zu wünschen, dass er bei seinem neuen oder auch alten Verein Bad Tölz die nächste Hürde nehmen kann und eines Tages vielleicht unter besseren Vorzeichen in die DEL kommen kann.
Mit Stefan Reiter als letztem deutschen Flügelspieler komme ich für heute abermals zum Ende. Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen, die wirklich komplett bis hierhin gelesen haben. Immerhin war das heute ein ganzes Stück „Arbeit“, weil es ungewöhnlich viele Spieler waren.
Mit Jaedon Descheneau, Calle Ridderwall, John Henrion und Braden Pimm fehlen mir nun nur noch vier Spieler aus dem DEG-Kader der vergangenen Saison, bevor ich mich dann wahrscheinlich in zwei oder drei Teilen noch über die Neuzugänge „hermache“.
Doch bis dahin…
Sportliche Grüße!
— Julian