NHL Free Agency 2019 – Die Top10 der ersten Woche

Es gibt im Laufe eines NHL-Jahres einige Termine abseits des Eises , die für jeden Fan wahnsinnig spannend sind, noch mehr aber für die Verantwortlichen der Franchises, die für die Kaderplanung zuständig sind.
Da wären die Trade Deadline, der NHL Entry Draft und eben auch die Free Agency. Klassischerweise startete diese am ersten Tag im Juli, also in diesem Jahr letzte Woche Montag.
Ich habe mir für diesen Artikel einmal die Zeit genommen, auf die Signings der ersten Free Agency Woche zu schauen und präsentiere euch nun für die zehn bestbezahltesten Spieler (nach durchschnittlichem Gehalt) eine Analyse. Darunter sind einige durchaus interessante Namen wie der Star-Stürmer Artemi Panarin, der Schweizer Timo Meier oder der langjährige Rangers-Spieler Mats Zuccarello. Doch lest selbst!

Ein absoluter Topstar entschied sich für die New York Rangers: Artemi Panarin.
(Rechte liegen bei den New York Rangers)

Artemi Panarin => New York Rangers
Vertrag: 11.642.00$ für 7 Jahre
Den wohl dicksten Fisch der Free Agency haben sich die New York Rangers gesichert. Für den 87-fachen Scorer des vergangenen Jahres Artemi Panarin legte das Team aus dem Big Apple aber auch eine ganze Stange Geld hin. Gerüchteweise soll der Russe sogar Angebote von bis zu 13.000.000$ erhalten haben, unter anderem vom Erzfeind New York Islanders. Das zeigt, was freie Spieler auf dem aktuellen Markt verlangen können. Immerhin liegt er mit seinem jetzt unterzeichneten Vertrag ligaweit nur noch unter Connor McDavid, was das Durchschnittsgehalt pro Saison betrifft.
Dass sich die Rangers ihn nun sicherten, ist ein weiterer Rückschlag für die Islanders. Doch Rangers-Fans dürfte es freuen: Panarin ist mit 27 Jahren im besten Eishockey-Alter und hat noch lang nicht genug. Und einen echten Star in der Offensive hatte das Team bitter nötig. Mit den weiteren Neuzugängen Jacob Trouba und Kappo Kaako werden die Rangers für mich zwar noch nicht zu einem Contender, aber allemal zu einem „Team to watch“ für 2019/2020.

Sergei Bobrovsky => Florida Panthers
Vertrag: 10.000.000$ für 7 Jahre
Ein weiterer ehemaliger Spieler der Blue Jackets, ein weiterer Russe, ein weiterer Vertrag über die maximale Laufzeit. Wie bereits seit einigen Wochen heiß diskutiert und vermutet, sichern sich die Panthers nach dem Karriereende von Roberto Luongo die Dienste des wohl besten Keepers der diesjährigen Free Agency.
Bobrovsky lieferte jahrelang in Columbus ab und wird das Team aus Sunrise ein ganzes Stück nach vorn bringen. Für riskant halte ich allerdings die lange Laufzeit des Vertrags von sieben Jahren, an dessen Ende der Russe fast 38 Jahre alt ist. Es ist nicht gesetzt, dass jeder Spieler so lang seine Leistungen abrufen kann. Diese 10.000.000$ könnten in einigen Jahren auf den Salary Cap des Teams aus Florida drücken. Doch das bleibt abzuwarten. Für den Moment ist „Bob“ eine waschechte Verstärkung. Immerhin kassierte man im letzten Jahr die viertmeisten Gegentore der Liga.
Und die lange Laufzeit des Vertrags kann man General Manager Dale Tallon nicht wirklich vorwerfen. Bei so hoher Nachfrage hatten vielen Free Agents die freie Auswahl auf dem Markt und ein langfristiger Vertrag dürfte für einen Spieler im Alter von Bobrovsky natürlich ein absolutes Pro-Argument gewesen sein.

Kam nicht zustande: Sebastian Aho => Montreal Canadiens
Potentieller Vertrag: 8.454.000$ für 5 Jahre
(Offer Sheet)
Auch wenn der Wechsel letztlich nicht zustande kam, möchte ich die Thematik kurz ansprechen.
Der finnische Center Sebastian Aho gehörte zu den so genannten RFA’s, also Restricted Free Agents. Möchte ein anderer Verein als der bisherige einen solchen Spieler verpflichten, muss er bestimmte Draftpicks als Kompensation abgeben und außerdem kann ein solcher Offer Sheet auch abgelehnt werden, in dem er „gematched“ wird, also das bisherige Franchise bei dem angebotenen Gehalt gleichzieht. Diese Wahl hatten die Carolina Hurricanes und sie haben die Kompensation ausgeschlagen und den 21-jährigen somit behalten. Damit entgehen ihnen ein Erst-, Zweit- und Drittrundenpick, sie behalten aber ihren wohl talentiertesten Spieler. Eine gute Wahl!
Für die Entscheidung hat man sich fast die komplette zur Verfügung stehende Woche Zeit gelassen. Warum? Aus dem ganz einfachen Grund, weil für die Canadiens die Draft Picks und auch der nötige Salary Cap solang geblockt waren, als hätte man Aho bereits unter Vertrag genommen. Letztlich stand es aber – wie man hört – für beide Seiten nie zur Debatte, dass er gehen soll.

Präsentiert sich in seinem neuen Trikot: Matt Duchene.
(Rechte liegen bei den Nashville Predators)

Matt Duchene => Nashville Predators
Vertrag: 8.000.000$ für 7 Jahre
Der „Ausverkauf“ bei den Columbus Blue Jackets geht weiter. Für die maximale Laufzeit von sieben Jahren verpflichten die Nashville Predators ihren Center für die erste Reihe, den sie seit Jahren so dringend brauchen. Ryan Johansen und Kyle Turris sind sicherlich gute Spielmacher, doch konnten sie meines Erachtens nach nie in Gänze die genannte Position ausfüllen.
Mit dem Kanadier Matt Duchene kommt nun der wahnsinnig talentierte Third Overall Pick von 2009. Die letzte Saison verbrachte er zu Teilen bei den Ottawa Senators und den Columbus Blue Jackets und konnte in 73 Spielen insgesamt 70 Scorerpunkte sammeln, machte spielerisch sogar teilweise einen Sprung zur Saison davor.
Und: Gleich 14 Punkte waren es im Powerplay, in dem die Predators – gemessen an ihren Möglichkeiten – im letzten Jahr teilweise unterirdisch schlecht waren. Mit Duchene in der ersten und Johansen in der zweiten Formation könnten diese Zeiten vielleicht der Vergangenheit angehören.

Anders Lee => New York Islanders
Vertrag: 7.000.000$ für 7 Jahre
Nach dem Abgang des ehemaligen Kapitäns John Tavares zu den Toronto Maple Leafs übernahm der US-Amerikaner Anders Lee das „C“ auf dem Trikot und die damit einhergehende Verantwortung. Auf dem Eis brachte er dies auch in vielen Situationen rüber und gefiel mir vom Auftreten her sehr gut.
Auch spielerisch hat der 29-jährige in der ersten Reihe mit Mathew Barzal und Jordan Eberle einen durchaus soliden Job gemacht und verpasste keine einzige der 82 Partien. In Punkten (51) und vor allem Toren (28) hat er aber einen Schritt zurück gemacht. Und das, obwohl die gesamte Liga ein deutlich gesteigertes Scoring vorwies. Hier sah man ganz klar die Lücke, die der Superstar in die Offensive gerissen hat.
Den Flügelspieler Lee jetzt langfristig gebunden zu haben, war für die gebeutelten Islanders aber in jedem Fall wichtig. Allerdings muss er zeigen, die 7.000.000$ auch auf lange Sicht wert zu sein.

Joe Pavelski => Dallas Stars
Vertrag: 7.000.000$ für 3 Jahre
Die Fans von Tradition und Treue hat der Wechsel erschüttert: Joe Pavelski wurde 2003 von den San Jose Sharks gedraftet, absolvierte einschließlich Playoffs im Anschluss fast 1.100 Spiele für sie, sammelte darin über 850 Scorerpunkte, trug erst das „A“ und zuletzt vier Jahre lang das „C“ auf der Brust, gehörte zu den absoluten Fanlieblingen. Doch die Zeit von Pavelski in Kalifornien endete nun, weil San Jose ihn nicht mehr in das Gehaltsgefüge einbauen konnte.
Viele Teams zeigten Interesse an dem NHL-Veteranen, letztlich entschied der US-Amerikaner sich aber für die Dallas Stars.
Das Franchise aus dem Bundesstaat Texas musste tief in die Tasche greifen, wenn man das Alter – kürzlich wurde er 35 Jahre alt – von Pavelski bedenkt. Für die nächste Saison ist es erst einmal kein allzu schlechter Vertrag, immerhin trat er gewohnt dominant auf, sammelte er 64 Punkte in 75 Spielen. Und mit 38 Toren markierte er außerdem seine zweitbeste Saison in dieser Kategorie. Auch gilt er bisher nicht als verletzungsanfällig, verpasste in vielen Saisons kein einziges oder nur wenige Spiele.
Er wird den Stars im 5 gegen 5, im Powerplay und im Penaltykilling mit seiner Erfahrung helfen, kann jungen Spieler wie Miro Heiskanen etwas beibringen und Tyler Seguin auf der Center-Position entlasten.
Ich wünsche ihm, dass er noch drei Jahre auf seinem Niveau spielen kann. Tut er das nicht, könnte er für den Salary Cap der Stars zum Ende seines Vertrags hin aber noch einmal richtig wehtun.

Tyler Myers => Vancouver Canucks
Vertrag: 6.000.000$ für 5 Jahre
Für insgesamt 30.000.000$ über die nächsten fünf Spielzeiten verpflichteten die Vancouver Canucks den Verteidiger Tyler Myers. Damit zeigt das Franchise aus dem kanadischen Westen ganz klar seine Ambitionen, nach vier Jahren ohne Playoffs wieder in die Endrunde einziehen zu wollen. Und die Zeit könnte wirklich reif sein, denn talentierte junge Spieler wie Elias Petterson, Bo Horvat, Brock Boeser, Jake Virtanen, Quinn Hughes oder Thatcher Demko übernehmen nach und nach mehr Verantwortung.
Tyler Myers ist aus zwei Gründen eine hervorragende Ergänzung: In der letzten Saison stand die Defensive häufig nicht solide und es fehlte an körperbetonten Aktionen. Man war mit durchschnittlich nur 89,76kg gar unter den drei leichtesten Teams der Liga. Myers bringt neben soliden Verteidiger-Fähigkeiten mit gelegentlichen Nadelstichen in der Offensive (0,38 Punkte pro Spiel in der bisherigen NHL-Karriere) auch ein Kampfgewicht von 104kg auf die Eisfläche. Zudem ist er Rechtsschütze, womit Vancouver nun vier Links- und vier Rechtsschützen in der Defensive hat und sich damit auch bei einem Ausfall optimal aufstellen kann.
Alles in allem gefällt mir die Verpflichtung sehr gut. Ich hätte Myers eher bei 5.000.000$ bis 5.500.000$ gesehen, aber die günstige Laufzeit entschädigt das durchaus.

Welcome to the State of Hockey: Mats Zuccarello.
(Rechte liegen bei den
Minnesota Wild)

Mats Zuccarello => Minnesota Wild
Vertrag: 6.000.000$ für 5 Jahre
Ein weiterer Vertrag mit einem Gesamtwert von 30.000.000$ und auch mit den gleichen Parametern wurde zwischen den Minnesota Wild und Ex-Ranger Mats Zuccarello geschlossen.
Über den kurzen Umweg Dallas gelangt der wohl beste norwegische Eishockeyspieler der aktuellen Generation nun nach Saint Paul.
Und das ist vor allem für die Wild ein durchaus sinnvoller Schachzug: Da Jason Zucker und Zack Parise hauptsächlich auf dem linken Flügel wirbeln, entstand mit dem Trade von Nino Niederreiter nach Carolina eine nicht unerhebliche Lücke auf dem rechten Flügel. Und den besetzte Zuccarello in den letzten neun Spielzeiten zur häufig großen Zufriedenheit der Rangers-Fans, sammelte dabei 355 Punkte in 511 Spielen.
Doch es sind nicht allein Punkte, die den 31-jährigen auszeichnen: Er ist enorm vielfältig einsetzbar. So hat er einen ausgeprägten Sinn für den richtigen Pass im richtigen Moment, ein gutes Stellungsspiel und einen soliden Schuss, allerdings auch in der Defensive gewisse Fähigkeiten, sodass er auch viel mit nach hinten arbeitet. Einzig physische Aspekte lassen sich im Spiel des nur 171cm großen Stürmers nur selten finden, aber dafür müssen dann eben andere Spieler im Kader der Wild sorgen.

Timo Meier => San Jose Sharks
Vertrag: 6.000.000$ für 4 Jahre
Wie auch der bereits erwähnte Sebastian Aho sowie beispielsweise die Stars Mitchell Marner und Brayden Point, war der Timo Meier am Ende der Saison ein so genannter RFA (Restricted Free Agent) und konnte damit nicht ganz so einfach von anderen Teams „weggeschnappt“ werden.
Zum Glück für die Sharks! Denn der 22-jährige Schweizer spielte sich in der vergangenen Saison in das Rampenlicht des SAP Centers und die Herzen der Fans. In 78 Partien gelangen ihm 30 Tore und 36 Assists, in den Playoffs legte er 15 Punkte obendrauf. Seine besondere Stärke außerdem: Die Physis. Mit knapp 100kg setzte er sich gegen viele Gegner spielend leicht durch, fuhr hin und wieder gezielte Checks oder tankte sich in den Bereich vor dem Tor durch, um den Gegner dort empfindlich zu stören. Außerdem hatte er während der kompletten Saison keine wirklich krasse Schwäche-Phase, war fast jeden Abend in guter Verfassung.
Ihn zu halten, dürfte damit die oberste Priorität von Sharsk-GM Doug Wilson gewesen sein, natürlich nach dem neuen Top-Verdiener Erik Karlsson.
Ich halte es dabei auch für die richtige Entscheidung, ihm keinen utopisch langen Vertrag zu geben, weil er erst eine Saison auf diesem hohen Niveau hatte und in einem solchen Fall nie ganz klar ist, ob ein Spieler das auch halten kann. Und solang er sich so wohl fühlt, wie das bisher der Fall zu sein scheint, dürfte eine weitere Verlängerung des dann Unrestricted Free Agents im Jahr 2023 kein Problem sein.

Gustav Nyquist => Columbus Blue Jackets
Vertrag: 5.500.000$ für 4 Jahre
Als Detroit-Anhänger und auch Fan des sympathischen Schweden hat mich der Abgang von „Gus“ zu den Sharks zur Trade Deadline trauernd zurückgelassen. Und das, obwohl ich Sinn und Zweck für meine Red Wings natürlich nachvollziehen konnte.
Nach insgesamt 39 Spielen (22 Punkte) für San Jose zieht Nyquist nun weiter zu seiner dritten NHL-Station in wenigen Monaten und auch seiner ganzen Karriere: Den Columbus Blue Jackets.
Das Franchise aus Ohio verpflichtete den Unrestricted Free Agent für gleich vier Jahre. Ebenso lang, wie auch der bisherige Kontrakt andauerte. Es winkt allerdings eine kleine Gehaltserhöhung von 4.750.000$ auf 5.500.000$, die er auch verdient hat.
Auch in einem schwachen Red Wings Team war er immer jemand, auf den man sich verlassen konnte. Trotz des Wechsels innerhalb der Saison und des damit verbundenen Umbruchs erreichte er mit 60 Scorerpunkten seine bisherige Bestmarke.
In einem starken Team und mit noch stärkeren Mitspielern (zum Beispiel Dubois und Atkinson) wird er solche Werte sicherlich auch in Zukunft erreichen. Neben den offensiven Aspekten hat er zur letzten Saison auch an seinen defensiven Fähigkeiten gefeilt, so zumindest mein Eindruck. Sein Spiel nach hinten wirkte überlegt und oft genau richtig dosiert.
Bei den Blue Jackets wurde nach den drei bereits oben beschriebenen großen Abgängen viel Salary Cap frei und in Nyquist ist zumindest ein Teil davon gut angelegt.

Eins steht fest: Es blieb in der ersten Woche der Free Agency nicht langweilig und vor allem gleich der erste Tag sorgte für eine Menge spannender Verpflichtungen.
Ich hoffe, ich konnte euch eine gute Einschätzung zu den jeweiligen Spielern geben und eure Vorfreude auf die Kader der nächsten Saison anheizen. Meine Vorfreude ist auf jeden Fall bereits uneingeschränkt vorhanden!

Sportliche Grüße!

— Julian

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