Der erste Spieltag in der höchsten deutschen Eishockey-Liga DEL ist bereits Geschichte und vom wirklich anstrengend anzusehenden 0:1 meiner Düsseldorfer EG bis zum 14-Tore-Spektakel in Schwenningen war eigentlich alles dabei.
Es liegen nun 51 weitere Spieltage vor uns und ich möchte mich in diesem – zugegebenermaßen wieder sehr umfangreichen – Beitrag der Frage annehmen, welches Team es denn wohl auf welchen Tabellenplatz schafft.
Dabei sind einige Vermutungen vielleicht relativ gewöhnlich und wenig überraschend, doch habe ich auch versucht, ein paar potentielle Überraschungen vorauszusagen. Ob das klappt, wird sich dann in fünfeinhalb Monaten zeigen, wenn die Tabelle aussagt, wer gegen wen in den Playoffs ran muss.

Platz 1: Adler Mannheim (2018/2019: Platz 1)
Nach der unfassbar starken letzten Saison und auch der Weiterentwicklung des Kaders in der Sommerpause sind die Adler aus Mannheim für mich wieder der absolute Top-Favorit auf den Titel und dementsprechend auch auf den ersten Tabellenplatz in der regulären Saison.
Zwar verließen Leistungsträger wie Chad Kolarik, Brendan Mikkelson (beide EC Salzburg) und Luke Adam (Düsseldorfer EG) den Verein, doch konnte man dies meiner Meinung nach hervorragend auffangen.
Mit Johan Gustafsson schnappte man sich den ehemaligen 1b-Torhüter von Frölunda und dreimaligen CHL-Gewinner. Dazu wurden weitere Ausländer-Lizenzen unter den Feldspielern mit extrem hoher Qualität besetzt: Stürmer Jan-Mikael Järvinen (Tappara) kommt mit der Erfahrung von über 500 Einsätzen in Finnlands erster Liga und zwei Meistertiteln, der kroatische Flügelspieler Borna Rendulic (Vityaz Podolsk) ging zuletzt in der KHL auf Punktejagd und Chad Billins (Linköping HC) wird viel Verantwortung in der Abwehr des Meisters übernehmen.
Bei Betrachtung der Zugänge und Abgänge sollte man allerdings nicht außer Acht lassen, dass eine ganze Reihe von Leistungsträgern den Adlern geblieben ist, verstärkt wurde eher punktuell.
Es bleiben natürlich einige Fragen: Werden Joonas Lehtivuori und Mark Katic wieder so unfassbar souverän verteidigen wie zuletzt? Wird Markus Eisenschmid seine überraschend starke Saison wiederholen? Werden Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Lean Bergmann (San Jose Sharks) in Nordamerika spielen oder eventuell nach Deutschland ausgeliehen? Werden sich die neuen Ausländer schnell an die Liga gewöhnen? Wird der Debütant und potenziell nächste Erstrundenpick Tim Stützle bereits viel Eiszeit und Verantwortung übernehmen können?
Fest steht jedoch: Die Mannheimer haben sich in der Champions Hockey League bereits auf Wettbewerbs-Niveau warmgespielt. In jeweils zwei Spielen gegen GKS Tychy (Polen) und die Vienna Capitals (Österreich) nahm das Team von Trainer Pavel Gross insgesamt elf von zwölf Punkten mit, traf 18-mal, ließ nur drei Gegentreffer zu.
Für Fans jeglicher anderer Meister-Anwärter ist der Ausblick auf die Adler nur eins: Besorgniserregend!
Platz 2: EHC Red Bull München (2018/2019: Platz 2)
Es mag etwas unspektakulär erscheinen, die beiden ersten Plätze genauso zu prophezeien, wie sie auch in der letzten Saison am Ende besetzt waren. Doch bin ich der Meinung, dass weder Mannheim, noch München sich verschlechtert haben, sogar ganz im Gegenteil. Deshalb wird es auch an der Spitze voraussichtlich wieder ein Zweikampf sein.
Im Tor des EHC gibt es keine Diskussion: Der Torhüter und Spieler des Jahres Danny aus den Birken wird nach einer starken Saison national und international wieder den Kasten hüten.
Unter den Feldspielern müssen die Bayern vor allem verschmerzen, dass drei Spieler ihre Schlittschuhe an den Nagel hängen: Michael Wolf, John Mitchell und Matt Stajan werden in der kommenden Saison nicht mehr aufs Eis gehen. Besonders ersterer wird als Kapitän und Mensch in der Kabine fehlen.
Doch rein von der Qualität her konnte man sogar womögliche Upgrades in das Team von Don Jackson locken: Die Nordamerikaner Blake Parlett (Kunlun Red Star) und Bobby Sanguinetti (Charlotte Checkers) sind in ihrer Karriere bereits viel herumgekommen und ersetzen nun die Abgänge in der Hintermannschaft Derek Joslin (EC Salzburg) und Ryan Button (Grizzyls Wolfsburg).
Und im Sturm hat man zusammengenommen eine ganze Reihe an Stars für sich gewinnen können: Besonders sticht dabei Center Derek Roy (Linköping HC) heraus. Dieser ist zwar schon 36 Jahre alt, dafür allerdings ein Veteran von 787 NHL-Spielen (551 Punkte). Ganze acht Teams der DEL haben nicht einmal im ganzen Team zusammengerechnet so viele NHL-Spiele Erfahrung. Zuletzt war er außerdem noch der drittbeste Scorer der schwedischen ersten Liga.
Dazu kommen der Stürmer des Jahres Philip Gogulla, den man der Düsseldorfer EG „entreißen konnte“. Und auch die Vita von Chris Bourque (Bridgeport Sound Tigers) kann sich sehen lassen: In der zweiten nordamerikanischen Liga AHL absolvierte er 932 Spiele und erzielte 864 Scorerpunkte.
Genau wie der Konkurrent aus Mannheim, präsentierte sich auch Red Bull bereits stark aufgelegt: Nicht nur 10 aus 12 Punkten in der Champions Hockey League stehen bereits zu Buche, sondern auch das Einladungsturnier „Red Bull Salute“ gewann man in der Vorbereitung letztlich souverän. Und mit dem IFK Helsinki (2:1-Sieg) und den Malmö Redhawks (7:4-Sieg) waren immerhin europäische Elite-Clubs zu Gast im österreichischen Kitzbühel.
Ich bin der festen Überzeugung, dass es für den EHC einer der ersten beiden Plätze wird. Man hat sich im Vergleich zu Konkurrent Mannheim allerdings fast noch etwas besser verstärkt und auch Coach Don Jackson schätze ich gegenüber Pavel Gross noch einmal als stärkeren Erfolgsfaktor ein. Es könnte an der Spitze also entsprechend knapp(er) werden.
Platz 3: Kölner Haie (2018/2019: Platz 4)
Die erste Änderung zur Vorjahres-Tabelle ergibt sich in meiner Vorschau an Platz 3, wo ich in der kommenden Saison die Kölner Haie sehe. Das Umfeld dafür ist auf jeden Fall gegeben: Die größte Halle Deutschlands, gepaart mit einer großen Fanbasis und in der Aufmerksamkeit gestärkt durch gleich zwei groß angelegte Wintergames in den letzten Jahren (2015 und 2019). Doch die beiden Niederlagen gegen die Düsseldorfer EG könnte man als Sinnbild für die vergangenen Jahre bezeichnen: Große Erwartungen und bittere Enttäuschungen. Denn gefühlt wird jedes Jahr das Ziel Meisterschaft ausgerufen oder gelebt, mindestens aber geistert es immer durch die Reihen der Fans. Doch was blieb, waren oft bittere Enttäuschungen und damit verbundene Versprechungen, dass es im nächsten Jahr anders werden würde.
Die Saison 2019/2020 bietet hierfür meines Erachtens nach das Potential. Zwar dürften München und Mannheim letztlich nur mit viel Glück zu schlagen sein, doch sehe ich die Kölner am dichtesten am Spitzenduo dran.
Die Mannschaft unter dem neuen Headcoach Mike Stewart (führte die Augsburger Panther in die CHL) wurde ordentlich aussortiert. Überraschend waren vor allem der Abgang von Felix Schütz (unbekannt) – immerhin drittbester Scorer der vergangenen Saison – sowie die der Verteidiger Ryan Jones (Karriereende) und Morgan Ellis (HK Sochi). Wobei man Letzteren Gerüchten zufolge halten wollte.
Um sich zu verbessern, tat man während der Sommerpause einiges: Letztjahres-Topscorer Jon Matsumoto (Iserlohn Roosters), der NHL-erfahrene Defender Jakub Kindl (HC Plzen), ein letzte Saison gut aufgelegter Jason Bast(Thomas Sabo Ice Tigers) sowie Center Zach Sill (HC Sparta Praha), der aus Tschechien kam. Letzterer überzeugte in seiner Karriere Berichten zufolge vor allem durch starkes Zwei-Wege-Spiel und wird den Kölnern im Backchecking helfen. In Prag spielte er unter Ex-Haie-Coach Uwe Krupp.
Ein Hoffnungsschimmer ist außerdem, dass der Dauer-Verletzte Marcel Müller bald zurückkommen könnte. Wie schnell er nach einer komplett verpassten Saison allerdings wieder auf seinem Niveau spielt, bleibt abzuwarten. Auch Frederik Tiffels steht vor einer hoffentlich kompletten Saison, nachdem er verletzungsbedingt nur in etwa der Hälfte der Spiele eingesetzt werden konnte.
Tragende Säulen im Team werden weiterhin Goalie Gustaf Wesslau (in Topform einer der besten der Liga), Kapitän Moritz Müller, Publikumsliebling Sebastian Uvira sowie die stark aufgelegten Stürmer Jason Akeson und U23-Hoffnung Fabio Pfohl sein. Letztere haben beide noch zwei Jahre Vertrag und durchaus das Potential, sich noch einmal zu verbessern.
Haben die Haie das auch in der Gesamtheit? Das zeigt die kommende Saison. Im Vergleich zu den absolvierten Vorbereitungsspielen muss das Team von Mike Stewart sich allerdings noch steigern, denn es gelangen nur knappe Siege gegen DEL-konkurrenten aus der unteren Tabellenhälfte (Wolfsburg, Krefeld), während Spiele gegen andere europäische Teams (Südtirol, Rögle, Graz, Langnau) fast alle verloren wurden.
Platz 4: Düsseldorfer EG (2018/2019: Platz 6)
Als leidenschaftlicher Fan der Düsseldorfer EG möchte ich von vorneherein betonen, das ich sicher nicht alles im Zusammenhang mit ihr vollkommen objektiv betrachten werde. Das steht mir auch zu, denn wir sind hier in einem Blog und nicht in dem sachlichen Artikel eines Eishockey-Fachmagazins.
Mir ist auch vollkommen bewusst, dass der vierte Platz für uns durchaus optimistisch getippt ist. Vor allem, wenn man bedenkt, wie sehr uns letzte Saison die Puste ausgegangen ist, wie neu man zusammengestellt ist und dass Harold Kreis als Trainer in der letzten Saison längst nicht alles richtig gemacht hat. Aber ich halte ihn weiterhin für eine absolute Säule des Teams und bin wahnsinnig froh über die frühzeitige Verlängerung um zwei weitere Jahre nach der kommenden Saison.
Zusammen mit Sportdirektor Niki Mondt scheint er nun ein Team aufgebaut zu haben, welches trotz der bitteren Abgänge von Jaedon Descheneau (Brynäs IF), Philip Gogulla (EHC Red Bull München) und Ryan McKiernan (Eisbären Berlin) die direkte Playoff-Teilnahme fest im Blick haben sollte.
In der Verteidigung wurde Hüne Alexandre Picard gleich durch Alexander Urbom (193cm, 93kg) vom schwedischen Hauptstadt-Club Djurgårdens IF und Nicholas B. Jensen (189cm, 102kg) von Konkurrent Bremerhaven ersetzt, die dem Spiel der DEG ein körperliches Element geben. Daneben hat man mit Johannes Johannesen (Stavanger Oilers, 22), Nicolas Geitner (EC Bad Nauheim, 20) und Alexander Dersch (Charlettetown Islanders, 19) auch jungen Spielern eine Chance gegeben. Aufgrund des Tumors von Altstar und Ex-Kölner Alexander Sulzer – an dieser Stelle noch einmal gute Besserung! – konnte man dann auch noch den ehemaligen Publikumsliebling Marc Zanetti (Dinamo Riga) holen, der von 2012 bis 2014 bereits Punkte und Strafminuten am ISS Dome sammelte. Letzterer sollte dem Team auf und neben dem Eis nochmal einen „Boost“ geben.
Der Sturm wurde hingegen noch mehr durcheinander gewirbelt. Verpflichtet hat man viele bereits DEL-erfahrene Akteuren wie Luke Adam (Mannheim), Rihards Bukarts (Schwenningen), Christoph Körner, Chad Nehring (beide Bremerhaven) oder Tobias Eder (München). Dazu gesellen sich neben Rückkehrer Maximilian Kammerer (Hershey Bears) allerdings auch Wundertüten-Verpflichtungen aus anderen Ländern wie ein Reid Gardiner (Kalamazoo Wings) aus der nordamerikanischen ECHL und Victor Svensson (Storhamar) aus der norwegischen Liga. Und bei Stürmern wie Ken Andre Olimb, Jerome Flaake und Leon Niederberger ist außerdem definitiv noch mehr Potential vorhanden, als in der letzten Saison gezeigt wurde.
Und: Das zusammengestellte Team sah in der Vorbereitung bereits eingespielt und hervorragend aufgelegt aus. Zu Beginn beim Bodensee-Cup lief es noch etwas holprig, doch danach besiegte man Konkurrent Iserlohn 4:2, Drittligist Moskitos Essen ungewohnt deutlich 10:0 und legte noch drei sehr souveräne Siege in Folge bei Schweizer Erstligisten hin (3:0 gegen Rapperswil-Jona, 4:1 gegen Fribourg-Gotteron und 5:0 gegen Genf-Servette).
Ein Problem sieht der geneigte rot-gelbe Fan im Tor: Matthias Niederberger gefiel mir – entgegen einiger kritischer Stimmen – in der letzten Saison fast immer sehr gut, doch gilt unter Fans das Gerücht, dass er mit einem beinahe ebenbürtigen Konkurrenten umso besser spielt. Und das ist Nachwuchskeeper Henrik Hane bei allem Respekt noch nicht. Ich freue mich aber, dass man in für bereit hält und lasse mich auf das Experiment ein, dem gebürtigen Düsseldorfer eine Chance zu geben. Übrigens einem von fünf Spielern im Kader, für die der Traditionsclub am Rhein auch der Heimatverein ist.
Falls es in dieser Saison noch nicht klappt, bleibt als Trost auf jeden Fall die angenehme Tatsache, dass man mit unter 26 Jahren den durchschnittlich zweitjüngsten Kader der Liga hat und sich damit langfristig positioniert. Man darf gespannt sein!
Platz 5: ERC Ingolstadt (2018/2019: Platz 5)
Neben dem Spitzenduo aus Mannheim und München sind die Panther aus Ingolstadt in meiner Saisonvorschau das einzige Team, das sich in der Tabelle nicht nach unten oder oben bewegt. Das liegt daran, dass der Kader sich nicht vollkommen geändert hat, sondern meines Erachtens nach auf ähnlichem Niveau gehalten werden konnte. Hinten hütet das etablierte Duo aus Timo Pielmeier und Jochen Reimer den Kasten, davor in der Verteidigung hat einzig und allein Benedikt Kohl (Straubing Tigers) den Verein gewechselt.
Die Offensive hat durchaus einige neue Gesichter verpasst bekommen, nachdem man unter anderem Patrick Cannone (Schwenninger Wild Wing), Tyler Kelleher (unbekannt), Laurin Braun (Krefeld Pinguine) und Joachim Ramoser (Thomas Sabo Ice Tigers) hat ziehen lassen. Um ehrlich zu sein, sehe ich aber nur die beiden erstgenannten als richtige Verluste.
Und neu hinzu kommen einige auf dem Papier vielversprechende Spieler. Kris Foucault könnte sich nach seinen Verletzungen in der letzten Saison bei Wolfsburg zum Leistungsträger entwickeln, der US-Amerikaner Wayne Simpson (Rochester Americans) kommt als solider AHL-Scorer nach Deutschland und Colin Smith ist erst 26 Jahre alt, hat die deutsche Staatsbürgerschaft und konnte in Berlin schon zeitweise überzeugen.
Seit der Meisterschaft im Jahr 2014 und dem Finale 2015 erreichte der ERC nun viermal in Folge nicht das Halbfinale der Playoffs. Das Potentiell, dass das Team von Headcoach Doug Shedden diese Negativ-Serie beendet, ist durchaus vorhanden.
Platz 6: Eisbären Berlin (2018/2019: Platz 9)
Schaut man auf den Gesamtetat von über zwölf Millionen Euro (laut Eishockey News) und die Zuschauerzahlen von durchschnittlich über 12.000, so sind die Eisbären Berlin ein absoluter Spitzenclub im deutschen Eishockey. Und in der Vergangenheit zeigten sie das auch: Kein DEL-Club gewann im bisherigen Jahrtausend so viele Meisterschaften, wie Berlin (7 Stück).
In den letzten sechs Jahren kam allerdings kein Titel mehr dazu und in fünf davon wechselte man ab zwischen dem zweiten Tabellenplatz und einem „Pre-Playoff“-Rang. Der Club aus der Hauptstadt konnte zumeist einfach keine Konstanz aufbauen und erreichte in der im März abgelaufenen Hauptrunde mit nur 74 Punkten den schlechtesten Wert seit der Saison 2000/2001. Und das, obwohl der Kader auf dem Papier keinen schlechten Eindruck gemacht hatte.
Als Fan des gern „Dynamo“ genannten Clubs kann man nun nur hoffen, dass die Vereinsführung die richtigen Spieler aussortiert hat, um wieder auf die Erfolgsspur zu gelangen.
Wer im Scoring überzeugte, ist jedenfalls geblieben: Von den elf Spielern mit den meisten Zählern blieben ganze neun. Und von den zehnt punktbesten Stürmern verließen nur drei die Eisbären. Man hat sich also eher von den Spielern hinterer Reihen getrennt, wie einem Daniel Fischbuch (Thomas Sabo Ice Tigers) oder Martin Buchwieser (Löwen Frankfurt).
Für Verwirrung sorgten allerdings Trennungen von Spielern wie dem langjährigen Eisbär Jens Baxmann (Iserlohn Roosters) sowie von den noch so jungen Talenten wie Maximilian Adam (Grizzlys Wolfsburg), Cedric Schiemenz (Schwenninger Wild Wings) und Tobias Ancicka (Lukko). Auch wenn letztere im nächsten Jahr keinen großen Einfluss gehabt hätten, stellten Sie doch den Talentepool für die kommenden Jahre dar. Doch diesbezüglich ist man der Konkurrenz aus Mannheim und München inzwischen ohnehin weit hinterher.
Mit Begeisterung wurde im Osten die Vertragsverlängerung von Austin Ortega wahrgenommen. Im Saisonendspurt aufgrund seiner Vita eher skeptisch aufgenommen, schlug er mit 18 Punkten in den verbliebenen 13 Spielen noch mal so richtig zu.
Zugeschlagen hat man auch auf dem Transfermarkt in der Sommerpause: Mit Ryan McKiernan von der DEG sicherte man sich einen der interessantesten Verteidiger der letzten Saison, dazu kommt für die Defensive John Ramage (Binghamton Devils), der auch schon Führungsverantwortung im College und in der AHL übernahm.
Dazu gesellen sich in der Offensive die Franko-Kanadier Maxim Lapierre vom HC Lugano und Pierre-Cédric Labrie von Wichita Thunder (ECHL) dazu. Zwar sind beide schon über 30, aber wenn sie die DEL als Herausforderung sehen und kämpfen, dann geben sie den Eisbären einen ordentlichen Schub.
Enttäuscht sind die Fans, was die Torhüter-Position betrifft und ich kann sie verstehen. Den Retter der letzten Saison Kevin Poulin (unbekannt) konnte man nicht halten, ersetzte ihn durch den Dänen Sebastian Dahm aus Iserlohn. Zwar spielte dieser eine solide WM, war aber in den letzten Jahren in der DEL eher ein Wackelkandidat. Mit ihm sowie Maximilian Cüpper und Maximilian Franzreb geht ein stark mittelmäßiges Torhüter-Trio in die nächste Saison.
Insgesamt traue ich den Eisbären aber zu, wieder einen Schritt vorwärts zu gehen. wenn Trainer Serge Aubin aus ihnen eine Einheit formt und vieles stimmt.
Platz 7: Augsburger Panther (2018/2019: Platz 3)
Eins ist klar: Zwar wurden die Adler Mannheim deutscher Meister und es war im Finale letztlich das erwartete Duell der beiden Top-Teams, aber die Überraschung kam eindeutig aus Augsburg. Die Panther beeindruckten in der Spielzeit 2018/2019 mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, attraktivem und körperbetontem Eishockey, lauten Fans (teils auch mit „Eyyyyy“-Rufen) und einem Beinahe-Einzug in’s Playoff-Finale sowie der Qualifikation für die Champions Hockey League.
Etwas anderes ist aber auch klar: Die Saison wird sich in der Form vermutlich nicht wiederholen. Die im Kader nur wenig veränderten Augsburger sollten wieder um das direkte Erreichen des Viertelfinales kämpfen können, aber so viel zusammenlaufen wird wohl nicht noch einmal.
Dazu hat der geschätzte und beliebte Trainer Mike Stewart die Panther in Richtung Köln verlassen und mit Matt White (Neftekhimik Nizhnekamsk) ging der beste individuelle Spieler der letzten Saison in die russische KHL. Ob sein aus der AHL geholter Landsmann Mitch Callahan (Bakersfield Condors) das auffangen kann und Leute wie beispielsweise Verteidiger Simon Sezemsky ihre starken Leistungen der letzten Saison wiederholen können, bleibt abzuwarten.
Der körperbetonte Spielstil wird wohl auch unter dem neuen Headcoach Tray Tuomie erhalten bleiben. Zum einen war er mehrere Jahre Assistenzcoach unter Mike Stewart und zum zweiten haben die Augsburger den schwersten Kader der Liga. Mit durchschnittlich 87,81kg ist man zwar etwas leichter geworden, aber immer noch sehr kräftig aufgestellt.
Ich drücke dem Traditionsclub nun erst einmal in der Champions Hockey League fest die Daumen und bisher hat man auch dort überzeugen können. Von den je zwei Spielen gegen Lulea (Schweden) und Belfast (Nordirland) wurden respektable drei gewonnen.
Platz 8: Grizzlys Wolfsburg (2018/2019: Platz 12)
Schlechte Stimmung und Frust bei den Grizzlybären: Nach zwei bitteren Final-Niederlagen in 2016 und 2017 ging es zuletzt runter bis auf den zwölften Tabellenplatz. Die Verletzung von Top-Torhüter Felix Brückmann und die unsichere finanzielle Unterstützung durch VW überschatteten die letzten zwei Saisons.
Nun ist der Fortbestand des Wolfsburger Clubs Berichten zufolge erst einmal wieder gesichert und auch Brückmann steht wieder auf dem Eis. Dazu folgte ein kompletter Umbruch im Kader der Niedersachsen und die Stimmung und Vorfreude der Fans ist definitiv geweckt! Und: Auch ich bin durchaus positiv überrascht über die Kaderplanung.
Mit Garret Festerling (Mannheim) und Anthony Rech (Schwenningen) sind bereits DEL-erfahrene solide Scorer geholt worden, die Angreifer Alexander Johansson (Färjestad BK) und Mike Sislo (Bridgeport Sound Tigers) könnten positiv überraschen, dazu sind beispielsweise Dominik Bittner (Schwenningen) und Maximilian Adam (Berlin) deutsche Verteidiger mit Potential.
Neben Brückmann holte man außerdem den in Mannheim verdrängten Chet Pickard, den ich dennoch für einen äußerst soliden Goalie halte. Je nach Zustand des Rückkehrers ist man damit auf der potentiell wichtigsten Position sogar besser oder breiter aufgestellt, als beispielsweise Berlin und Düsseldorf.
Unter den Stürmern weckte vor allem die Verpflichtung von Mathis Olimb (Skellefteå AIK) Begeisterung. Der Bruder von Düsseldorfer Kenny Olimb wird sicher nicht nur beim VW-Club auf der Liste gestanden haben, denn seine spielerischen Anlagen sind enorm. Er hat in der schwedischen SHL bereits 385 Saisonspiele absolviert, wurde CHL-Sieger, -Topscorer und -MVP. Und auch in der norwegischen Nationalmannschaft gehört er zu den absoluten Führungsspielern. Mit ihm gewinnt man einen spielstarken und intelligenten Center für die erste Reihe, der das Spiel gestalten kann.
Kann das auch Trainer Pat Cortina von der Bank aus? Um den Italo-Kanadier gab es viele Diskussionen. Doch im Grundsatz ist der 55-jährige sicher kein schlechter Trainer und wenn vieles gut läuft, sind die Grizzlys nach einem Jahr Pause am Ende wieder in den Playoffs zu finden.
Ein potentielles Problem: Die Grizzlys sind der durchschnittlich kleinste (181,42cm) und leichteste (84,73kg) Kader. Die spielerischen Fähigkeiten der Spieler werden also eine teilweise körperliche Unterlegenheit auffangen müssen.
Platz 9: Straubing Tigers (2018/2019: Platz 8)
Für die Tigers aus dem bayrischen Straubing dürfte die Saison ein Erfolg gewesen sein: Wie in jedem Jahr chronisch unterschätzt, erreichte man die erste Playoffrunde letztlich ohne Probleme mit 20 Punkten Vorsprung auf Platz 11, erzielte die achtmeisten Punkte und die fünftmeisten Tore. Was man sich dabei vor Augen führen muss: Als 2011/2012 zuletzt so viele Tore und sogar ein Punkt weniger in der Hauptrunde erzielt wurde, war es am Ende sogar das Halbfinale für die Tigers!
Vor allem deshalb schmerzte das sofortige Ausscheiden in der ersten Runde dieses Jahr natürlich, doch ist ein achter Platz für einen kleinen Verein wie Straubing sicherlich etwas, worauf man im Süden aufbauen kann und will.
Den Erfolg verdankte man neben einer geschlossenen Mannschaftsleistung vor allem dem bärenstarken Torhüter Jeff Zatko, dem immer störenden Verteidiger Sena Acolatse und dem DEL-Topscorer Jeremy Williams. Und: All diese Leistungsträger konnten relativ überraschend gehalten werden.
Zudem sind die Abgänge von beispielsweise Marco Pfleger (Tölzer Löwen), Thomas Brandl (Ravensburg Towerstars) oder Dylan Wruck (Heilbronner Falken) kein wirklich ernstzunehmender Verlust und auch Stefan Loibl spielt vor seinem bereits fixen Transfer zu den Adler Mannheim noch ein Jahr bei den Tigers.
Dazu holte man zum Beispiel die Deutschen Benedikt Kohl aus Ingolstadt (solide für das hintere Verteidigerpaar) und Travis Turnbull von den Roosters. Ja, letzterer ist dank der Einbürgerung in Iserlohn inzwischen Deutscher. Und bringt zwar keine 40 bis 45 Punkte wie in Düsseldorf oder Ingolstadt mehr mit, aber dennoch vermutlich solide 20 bis 25 Zähler.
Um auch für die nächsten Jahre gerüstet zu sein, sollte man bei den nächsten Transfers wieder etwas jüngere Spieler holen, denn die Tigers haben den durchschnittlich zweitältesten Kader der ganzen DEL.
Doch für den Moment hat man sich in der Kaderqualität kaum verschlechtert und vielleicht sogar minimal verbessert. Daher sehe ich auch wieder einen ähnlichen Tabellenplatz für das Team vom Pulverturm voraus.
Platz 10: Iserlohn Roosters (2018/2019: Platz 13)
So viele Gegentore wie Iserlohn in der letzten Saison (189) kassierte zuletzte Schwenningen vor fünf Jahren (190). Beide Teams wurden nur Zweitletzter, weil die Offensive jeweils solide Leistungen zeigte.
Die richtige Konsequenz daraus war unter anderem, dass man das Torhüter-Duo geschlossen austauschte. Von Mathias Lange (unbekannt) und Sebastian Dahm (Eisbären Berlin) trennte man sich, nahm dafür Anthony Peters (Wilkes-Barre/Scranton Penguins) aus der nordamerikanischen AHL sowie Andreas Jenike (Thomas Sabo Ice Tigers) unter Vertrag. Beide sind für mich schwierig vorauszusehen. Peters wagt seinen ersten Schritt in das für Amerikaner teils ungewohnte europäische Eishockey und Jenike ging letztes Jahr in einem schwachen Nürnberger Team unter, hatte aber auch schon sehr gute Spielzeiten bei den Ice Tigers.
Doch nun zur gelobten Offensive aus der letzten Saison: Leider konnte man dem Spielermaterial keine Möglichkeiten geben, eingespielt und punktuell verbessert in die nächste Saison zu gehen. Denn mit Top-Scorer Jon Matsumoto (Kölner Haie), Anthony Camara (HV71), Evan Trupp (Dornbirner EC), Lean Bergmann (Adler Mannheim), Ex-Kapitän Justin Florek (EHC Linz) und Travis Turnbull (Straubing Tigers) verließ ausgerechnet der Großteil der punktbesten Stürmer das Team. Auch in der Abwehr ging beispielsweise Dylan Yeo zu Konkurrent Schwenningen, der defensiv und offensiv fehlen wird.
Doch sollten die Iserlohner Fans nicht verfrüht den Kopf hängen lassen, denn die Verantwortlichen am Seilersee haben einige interessante Personalien in den neuen Kader einbauen können. Dazu zählen vor allem Alex Petan und Brett Findlay, die in der letzten Saison für den italienischen HC Bolzano in der EBEL auf Torejagd gingen und sicher schon eine gute Chemie mitbringen. Und Brody Sutter (Sport) und Mike Halmo (Ilves) haben in der letzten Saison nicht gerade viele Punkte geholt, aber man muss es auch in der Relation zur starken finnischen „Liiga“ setzen, in der sie sich beweisen mussten. Schon häufig konnten unterdurchschnittliche Spieler in Schweden oder Finnland hiernach ihrem Wechsel nach Deutschland zu überdurchschnittlichen DEL-Spielern werden.
Der Rest der Zugänge kennt die DEL allerdings überwiegend schon, so zum Beispiel Mike Hoeffel, Chris Rumble (beide Bremerhaven), Jens Baxmann (Berlin) oder Daniel Weiß (Nürnberg). Gerade letzterer könnte den Iserlohnern wirklich helfen. Er wird kein Topscorer sein, kann aber eine dritte Reihe anführen, die den Gegner ärgert, gegen starke Stürmer Zeit von der Uhr nimmt und in Unterzahl Gegentore verhindert.
Ein Risiko ist der neue Trainer Jason O’Leary. Der Kanadier trainierte zuletzt das Farmteam des EV Zug in der zweiten Schweizer Liga. Einen Platz als Cheftrainer bei einem Erstligist hat er jedoch noch nie innegehabt.
Abschließend wundert der zehnte Platz für das Team aus dem Sauerland nach meiner Analyse vielleicht. Aber ich habe das Gefühl, dass der Kader mit viel Unterstützung der so lauten Fans überraschen und damit den einen oder anderen Verein in der Tabelle hinter sich lassen könnte.
Platz 11: Schwenninger Wild Wings (2018/2019: Platz 14)
Die Schwenninger Wild Wings sind so ein Fall für sich, was die sportlichen Ergebnisse betrifft. Zur Saison 2013/2014 übernahmen sie den DEL-Startplatz von den aus finanziellen Gründen ausgeschiedenen Hannover Scorpions. Aus den nunmehr sechs Saisons lautet die Bilanz: Fünfmal keine Playoffs, einmal das Ausscheiden in der ersten Runde.
Besonders Leid tut mir dies natürlich für die Fans und für Goalie Dustin Strahlmeier, womit wir gleich beim Kader der Schwenninger wären. Der gebürtige Gelsenkirchener ist seit nunmehr drei Jahren eine feste Größe in der Mannschaft und sorgte teils dafür, dass der Verein aus Villingen-Schwenningen nicht komplett abgeschlagen am Tabellenkeller saß. Save um Save steuerte er bei und man hatte nicht ein einziges mal den Eindruck von Motivationslosigkeit oder Resignation bei dem heute 27-jährigen. Eine Eigenschaft, die in der Situation des Clubs größten Respekt verdient.
Möglicherweise tippe ich hier gegen den Trend, aber ich habe das Gefühl, dass es in der nächsten Saison bergauf gehen könnte. Vielleicht nicht direkt in die Playoffs, aber zumindest in einen spannenderen Kampf um den Einzug in die erste Runde, als man ihn in den letzten Jahren an der Helios Arena beobachten durfte.
Das liegt vor allem an den in seiner Heimat stets erfolgreichen englischen Trainer Paul Thompson, der mehrere englische Meisterschaften und Auszeichnungen zum Trainer des Jahres gewann und nun den ersten Schritt in ein völlig anderes Terrain wagt.
Aber auch die Neuzugänge machen einen wahrlich interessanten und überzeugenden Eindruck. Center Patrick Cannone brachte den Ingolstädtern letzte Saison 38 Punkte in 52 Spielen ein, Kanadier Troy Bourke (Orlando Solar Bears) hingegen ist jung, flexibel einsetzbar und überzeugte in AHL und ECHL. Dazu sind Dylan Yeo (Iserlohn) und Jamie MacQueen (Berlin) bereits bekannte und gestandene Größen in der Liga, der neue Assistenzkapitän Mike Blunden (HC Bolzano) bringt immerhin 127 Spiele NHL-Erfahrung mit und um den Schweden Andreas Thureson (HV71) soll sich unter anderem auch die DEG intensiv bemüht haben.
Natürlich bringt ein solch großer Umbruch – kein anderes Team hatte so viele Ab- und Zugänge – ein großes Risiko mit und muss erst einmal funktionieren. Jedoch traue ich dem SERC zu, ein Überraschungsteam zu werden. Immerhin überraschte man auch in der Vorbereitung mit dem Gewinn des Bodensee-Cups gegen den traditionsreichen HC Davos und die Düsseldorfer EG.
Platz 12: Fischtown Pinguins Bremerhaven (2018/2019: Platz 7)
Auch wenn es wenig bis nichts mit der Saisonvorschau zu tun hat, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Fischtown Pinguins ein sehr spezielles Team sind: Unter den 23 Spielern im Kader befinden sich genau zwei Kufencracks, die in Deutschland geboren sind. Das sind der Verteidiger Tom Horschel aus Bad Tölz und der Stürmer Luca Gläser aus Schlema, die beide noch nie in der ersten Liga aufliefen und wohl eher für die Einhaltung der erweiterten U23-Regelung gedacht sind. Ob ein Umgehen der Ausländer-Regelungen durch Einbürgerungen ein gangbarer Weg ist und wer für die Wahl dieses Weges verantwortlich ist, möchte ich allerdings nicht an dieser Stelle diskutieren.
Fest steht, dass die Fischtown Pinguins seit dem Erhalt ihrer DEL-Lizenz vor drei Jahren rein spielerisch betrachtet einen super Job gemacht haben. Es sprangen ein zehnter, ein neunter und ein siebter Platz sowie zwei Viertelfinal-Einzüge dabei rum und jedes Saison überraschte man wieder. Und trotzte im gleichen Zug auch den Analysen der zahlreichen Experten, die einen Absturz in die unteren Tabellenplatz-Regionen Jahr für Jahr voraussagten.
Nun bin ich kein Experte, glaube aber dennoch, dass das Team aus Bremerhaven nun einen Einbruch erleben könnte.
Man hat mit 23 Spielern den kleinsten und mit 28,87 Jahren auch den durchschnittlich ältesten Kader.
Dazu konnte Konkurrent Düsseldorfer EG sich die Dienste an den nun ehemaligen Bremerhavenern Chad Nehring und Nicholas B. Jensen sichern. Dieser gehörten auf ihrer jeweiligen Position zu den Anführen und auch spielerisch stärksten Vertretern.
Dazu kommt ein meiner Ansicht nach stark unterdurchschnittliches Torhüter-Duo aus dem nachlassenden Tomas Pöpperle und dem bisher nur Drittliga-erfahrenen Talent Patrik Cerveny, der von den Moskitos Essen kam.
Immerhin: Bis auf die beiden oben genannten nun Düsseldorfer sowie Rylan Schwartz (Iserlohn) und Chris Rumble (Iserlohn) konnte man ein Grundgerüst des Kaders beisammenhalten.
Unter den Neuzugängen bin ich vor allem gespannt auf die Verteidiger Stefan Espeland (Vålerenga) aus Norwegen und Stanislav Dietz (Piráti Chomutov) aus Tschechien. Im Sturm wird sich zeigen, ob Tomas Sykora das Fehlen von Chad Nehring vergessen machen kann. Dem slovakischen DEL-Neuling gelangen in der letzten Saison wettbewerbsübergreifend immerhin 61 Punkte in 61 Spielen für den polnischen CHL-Teilnehmer GKS Tychy.
Alles in allem sehe ich eher eine kleine Verschlechterung, als eine Verbesserung im Kader des norddeutschen DEL-Teams. Da andere Clubs an der Transfer-Front deutlich aktiver waren und man in den letzten Jahren spielerisch ohnehin über sich hinauswuchs, sehe ich einen – möglicherweise deutlich – niedrigeren Tabellenplatz, als bisher.
Platz 13: Thomas Sabo Ice Tigers (2018/2019: Platz 10)
Mit nur 65 Zählern gelang den Thomas Sabo Ice Tigers in der vergangenen Spielzeit der Einzug in die erste Playoffrunde. Seit der Einführung des jetzigen Formats zur Saison 2006/2007 gelang dies bis auf zwei Ausnahmen nur mit 70 oder mehr Punkten. Leistungsgerecht verabschiedete sich das Team von inzwischen Ex-Trainer Martin Jiranek dann im Viertelfinale. Und die Thomas Sabo Ice Tigers damit aus dem erweiterten Kreis der Favoriten, nachdem man drei Jahre hintereinander das Halbfinale erreichte.
Da kommt es äußerst ungelegen, dass der namensgebende Mäzen Thomas Sabo sich zur nächsten Saison finanziell zurückziehen wird. Die Ice Tigers stehen also finanziell vor einer ungewissen Zukunft, auch wenn die Verantwortlichen natürlich bereits jetzt beruhigend auf die Fans einwirken.
Und auch sportlich sieht es meines Erachtens nach nicht rosig aus. Man hat es zuletzt versäumt, aus den Einzelspielern auf dem Eis eine Mannschaft zu formen, wie man dies vor ein paar Jahren noch so hervorragend geschafft hatte.
Die Topscorer Philippe Dupuis (34), Patrick Reimer (36) und Will Acton (32) sind bereits in gehobenem Alter, dazu muss zuerst genannter auch noch einige Wochen verletzungsbedingt aussetzen. Das gilt auch für den wohl interessantesten Neuzugang Jim O’Brien (Belleville Senators). Der in 2007 in der ersten Runde des NHL-Drafts gepickte Stürmer wird sogar erst im Januar zurückerwartet.
Die Abgänge von Jason Bast (Kölner Haie), Leo Pföderl (Eisbären Berlin) und Shawn Lalonde (Admiral Vladivostok) konnte man meines Erachtens nach außerdem so überhaupt nicht auffangen.
Ein Trostpflaster für die Fans: Die Ice Tigers stellen das durchschnittlich größte (185,19cm) und zweitschwerste Team (87,77kg). Und das auch ohne Milan Jurcina!
Doch wird das potentiell nicht für die Playoffs reichen.
Die Vorbereitung der Ice Tigers war übrigens überraschend wechselhaft: Von Kantersiegen gegen Liga-Konkurrent Ingolstadt (5:0) und den österreichischen Erstligist Dornbirner Bulldogs (9:1) bis zu einer Niederlagen gegen den Zweitligisten Bietigheim (2:4) zum Schluss war alles dabei. Doch gilt hier wie stets, dass man diese Ergebnisse nicht überbewerten sollte.
Platz 14: Krefeld Pinguine (2018/2019: Platz 11)
Seit dem Halbfinaleinzug im Jahr 2013 ging es für die Pinguine aus dem rheinischen Krefeld bergab: Vom Viertelfinale in 2014 über die erste Playoffrunde in 2015 bis zu nunmehr vier Saisons ohne Playoffs in Folge. Die Fans in Krefeld sind durchaus leidgeprüft. Und dabei versprach so mancher Saisonstart einen Ausbruch aus dem Tabellenkeller. Doch am Ende stand oft die Ernüchterung bevor. Diese prophezeie ich für die nächste Saison leider auch wieder.
Ein tolles Upgrade stellt zwar der neue Goalie und zweifache finnische Meister Jussi Rynnäs (Kärpät) dar, doch sieht es auf den anderen Positionen weniger rosig aus.
Vor allem der Abgang von Topscorer Jacob Berglund (Dinamo Riga) nach Lettland in die KHL sowie die vermutlich noch etwas länger andauernde Fuß-Verletzung von Publikumsliebling Martin Schymainski wird die Pinguine schwer treffen.
Und unter den Neuzugängen war Mark Cundari (Eisbären Berlin) letzte Saison viel verletzt, Kai Hospelt (Kölner Haie) und Laurin Braun (ERC Ingolstadt) nur noch mittelmäßig und Jeremy Welsh (Grizzlys Wolfsburg) wechselhaft. Dazu kommen Justin Hodgman (Fort Wayne Comets) und Grant Besse (South Carolina Stingrays) aus der drittklassigen nordamerikanischen Liga ECHL und sind für mich vollkommene Wundertüten, weil die sogenannte „Transition“ aus solchen Ligen in die DEL nun mal nicht immer sofort funktioniert. Wirklich interessant sieht hingegen Jacob Lagacé aus, der zuletzt für die Stavangar Oilers die norwegische Liga aufgemischt hat.
Wenn ein Daniel Pietta oder Chad Costello allerdings ausfallen sollte, sehe ich im Krefelder Angriff große Lücken, die man potentiell nicht auffangen können wird.
In der letzten Saison hat unter einem sehr jungen Trainer Brandon Reid vieles geklappt, was sich nicht zwangsläufig wiederholen muss.
Und: Die Konkurrenz hat sich – möglicherweise finanziell bedingt – besser verstärkt und könnte die Pinguine einholen oder überholen, weshalb ich sie auf den letzten Tabellenplatz tippe.
Puh! Das war glaube ich der längste Artikel, den ich für diesen Blog bisher verfasst habe. Allerdings hatte ich beim Schreiben auch wahnsinnig viel Spaß und konnte gleichzeitig meines Wissensstand über den einen oder anderen Verein oder Spieler erweitern sowie meine Vorfreude beträchtlich erhöhen.
Wenn ich nun zehn Leser nach ihrer Meinung oder Vermutung zur Abschluss-Tabelle fragen würde, bekäme ich zehn verschiedene Antworten. Doch das macht es ja gerade so spannend und beweist, dass die Liga bis auf die ersten beiden Plätze vollkommen ausgeglichen ist. Und vielleicht sogar auf Rang 1 und 2! Denn wer weiß schon, ob Mannheim oder München vielleicht überraschend einbrechen und ob Köln, Düsseldorf oder abermals Augsburg eine starke Saison spielen.
Was glaubt ihr? Wo verschätze ich mich komplett? Wo liege ich richtig? Lasst mir eure Meinung gern da.
Und wenn ihr zudem ein Like auf meiner Facebook-Seite dalasst, verpasst ihr in Zukunft nicht mehr, wenn ich mich über ein sportliches Thema auslasse.